Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

Krachmanifest: Ausgabe 10 (Review)

Artist:

Krachmanifest

Krachmanifest: Ausgabe 10
Album:

Ausgabe 10

Medium: Fanzine
Stil:

Immer feste druff

Label: Eigenveröffentlichung
Spieldauer: 88 Seiten
Erschienen: 15.10.2026
Website: [Link]

Dem Volksmund zufolge ist Einsicht der erste Weg zur Besserung, und somit darf den KRACHMANIFEST-Herausgebern zwar gratuliert werden, wenn sie sich im Vorwort zu zehnten Ausgabe "ein Stück Beklopptheit" eingestehen, doch bei der Lektüre der 88 Seiten starken Schwarte taucht trotzdem unweigerlich die Frage auf, warum Katja, Rayk, Andi und ihr Team im Großen und Ganzen genauso geschmacksverkalkt weiter krawallen wie zuvor…?!

Denn auch der neuerdings vergleichsweise professionelle Druck kann kaum darüber hinwegtäuschen, dass das Krachtrio und seine Kombattanten an den Tastaturen an der bisherigen Ausrichtung ihres Fanzines sturköpfig festhalten und sich darin einmal mehr ein Potpourri manifestiert, das sich aus den besonders ranzigen Varianten von Black-, Death- und Thrash Metal, sowie allerhand -core und Punk zusammensetzt – als ob wir nicht schon mit genug Herausforderungen hierzulande hadern?!

Auf nicht weniger als sieben Seiten kommt die Band Victims of Classwar zu Wort, die sich darüber freut, sowohl im Punk- als auch im Black-Metal-Underground auf Menschlein zu treffen, die ihr Geschepper abfeiern, und die einiges aus dem Nähkästchen zu erzählen haben.

"Uns stört es, dass die Szene so eingefahren erscheint und Menschen ohne irgendwelche Gespräche weggecancelt werden“, zeigt sich Wisdom von Bolzenschuss (selbst)kritisch gegenüber der Punk-Szene, und betont an anderer Stelle, dass die Band bei ihren Konzerten "eigentlich immer gut versorgt" wird, und das "Auftritte auch immer ein Stück weit Safe Space unter Gleichgesinnten (sind), was richtig gut tut." Wer sich so offenherzig äußert, scheint auch das KRACHMANIFEST für einen Safe Space zu halten…

Ebenfalls frei von der Leber gestehen Röt Stewart, dass sie ursprünglich mit der Idee an den Start gegangen waren, dem Black’n’Roll zu frönen, dann jedoch herausfanden, dass das nicht unbedingt der am Leichtesten zu spielende Stil der Welt ist – und dass sie somit schließlich beim Hardcore-Punk gelandet sind, mit dem sie seitdem Bühnen bzw. das Publikum davor verunsichern.

Dieser lockere Plauderton taucht im KRACHMANIFEST auch in weiteren Interviews auf, deren Lesbarkeit für ein punk-seitiges 'zine nahezu vorbildhaft ist, auch wenn vergleichsweise viele unterschiedliche Schriftarten zum Einsatz kommen.
Einen Norwegen-Reisebericht wie den von Abo Alsleben wird es kaum einen zweiten geben, denn wer kann schon von einem Besuch an Euronymous‘ Grab aus der Perspektive des ehemaligen (Brief-) Freunds und legendären Mayhem-Konzertveranstalters berichten wie der ehemalige Fanzine- und heutige Buchautor? Dessen Schreibe ist ebenso unverwechselbar wie die Natur im Norden, die es dem Reisenden ebenso angetan hat wie der Sound of Norway, der seit den Neunzigern vor allem in Form von Black Metal eine weit über die Landesgrenzen hinausstrahlende Faszinationskraft entwickelte.

Ebenfalls sehr persönlich ist die siebenseitige Einführung in den Early Crust from UK von Gastschreiber Ralph geraten, der zunächst die Vielfalt des Genres umreißt und erklärt, wie er langsam vom extremen Metal zum Punk neigte und schließlich zum Crust fand, der für seine Lebensrealität am anschlussfähigsten war. Kaum zu glauben, doch dieser Artikel wartet mit einem besonders gelungenen Layout auf, das die Leserschaft direkt, um den Untertitel zu paraphrasieren, "unter die Erdkruste" führt, wo "das Feuer des Untergangs lodert". Ja, hier handelt es sich um eine herzerwärmende Lektüre – vorausgesetzt, man hat einen auch nur halbwegs Florian-Silbereisen-kompatiblen Musikgeschmack am Eingang abgegeben.

Ans Eingemachte geht es zu unguter Letzt auch bei den Rezensionen, von denen nicht wenige unerträglich ausführlich ins Detail gehen; fast so, als würde sich der Krach von der Krawalloband X vom Krach der Kaputtnicks Y unterscheiden. Während früher die "Arschbombe des Monats" im Rock Hard binnen weniger Sätze auf den Punkt kam, begeistert sich Rayk zum Beispiel auf einer knappen halben Seite für das Live-Tape von Prehistoric Warcult und Sadistic Goatmessiah, während Katja beim Split-Tape von CxTxD / PilzeFressenFelsen den undifferenzierten Sound der erstgenannten Combo wie folgt zusammenfasst: "Hört sich ein bisschen so an, als würde ein Ufo auf einem Dinosaurier notlanden." Noch Fragen…?!
Beim Geld hört der Spaß bekanntlich auf, und die Krachmafia aus Nürtingen ruft 6 Teuro plus Porto für ihre Jubiläumsausgabe auf. Beschwerden über diese maßlose Abzocke könnt Ihr an KRACHMANIFEST@gmx.net senden.

FAZIT: Zwar gestehen sich die Gründer des KRACHMANIFEST ihre "Beklopptheit" unumwunden ein, doch anstatt das zum Anlass zu nehmen, um endlich mal Abstand vom Krach zu nehmen, konzentrieren sich Katja, Rayk und ihr Team weiterhin unentwegt auf düster-dreckiges Geschepper in Form vergleichsweise räudiger Spielarten von Underground-Punk und -Metal. Ferndiagnostisch kann somit notiert werden, dass ihnen wohl kaum noch zu helfen ist, und sich die bedrohliche Symptomatik nach mittlerweile zehn Ausgaben verfestigt hat. Chronische Krachobsession heißt das im Fachjargon, Ihr seid also gewarnt und lasst besser Eure Hände von diesem Pamphlet, das Euch mit seiner fast schon einladenden Gestaltung todsicher ins Verderben ziehen will!

Thor Joakimsson (Info) (Review 74x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • Interviews:
  • Bolzenschuss
  • Grindferno
  • Pelorous
  • Röt Stewart
  • GIF
  • The Subdivisions
  • Victims Of Classwar
  • Constrict
  • Alisøn Walks
  • Choke
  • Norwegen-Reisebericht von Abo Alsleben
  • 80er-Jahre UK-Crust-Special
  • Live-Berichte & Reviews

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Wobei handelt es sich um keine Farbe: rot, gelb, blau, sauer

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!