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Nástio Mosquito: No Capital (Review)

Artist:

Nástio Mosquito

Nástio Mosquito: No Capital
Album:

No Capital

Medium: LP/Limitiert
Stil:

World, Alternative, Indie, Rock

Label: Eight to Infinity
Spieldauer: 33:38
Erschienen: 15.10.2026
Website: [Link]

Es gibt immer wieder Alben, die – gelinde gesagt – den Kritiker verwundern oder verblüffen oder – anders ausgedrückt – einen verunsichern und verstören. Das strikt auf 500 Exemplare limitierte „No Capital“ von NÁSTIO MOSQUITO gehört ab sofort definitiv zu dieser Kategorie.


Der stechende Blutsauger kommt einem natürlich sofort in den Sinn, wenn man den Namen Mosquito hört. Na hoffentlich nimmt uns diesen Gedankengang der 1981 in Luanda geborene und derzeit in Gent ansässige Künstler nicht übel. Denn dass er kein Blutsauger, sondern ein außerordentlich begabter Künstler ist, der mit dem Kapitalismus seine Probleme zu haben scheint und sich selber übrigens einen 'Kultur-Architekt' nennt, ist eine Tatsache. Allerdings eine, die man eher mit den bildenden Künsten, ganz besonders der Malerei in Verbindung bringen sollte. Mosquito stellt seine Kunstwerke in der ganzen Welt – von der Venediger Biennale bis zum New Yorker Museum Of Modern Art aus und heimst hierfür viel Lob ein.
Das jedenfalls ist eine Sache für die Augen – doch wie sieht's nun mit den Ohren aus?


Viel Lob sollte sich NÁSTIO MOSQUITO auch für dieses musikalische Kunstwerk unter dem Titel „No Capital“ verdienen, denn es ist genauso komplex und ungewöhnlich wie die Malerei, welche sich im schönen, bunten Impressionismus genauso wohlfühlt wie im experimentellen, verstörenden Expressionismus. Denn wenn Mosquito seinen Komponisten-Pinsel ansetzt, dann fließen dabei einfallsreiche Noten und Texte heraus, die noch dazu auf eine astreine, kristallklare Klang-Leinwand gemalt werden.


Vielleicht erinnert sich ja jemand – alle ZAPPA-Fans sowieso – an den Central Scrutinizer der in „Joe's Garage“ als böser Überwacher durch das Album mit verfremdet-blecherner Stimme seine kurzen, bedrohlichen Sprechpassagen erhält und die Handlung des sich über drei LP's erstreckenden Konzepts zusammenhält. Ganz genauso und stimmlich sehr ähnlich verhält es sich auf „No Capital“ mit den insgesamt fünf Interludes, die gesprochen und mit Straßen- oder Naturgeräuschen versehen werden. Geräusche, die übrigens während der guten Musikhalbestunde (Schade, dass dieses spannende Album so kurz ausgefallen ist!) immer wieder auftauchen.


Aber auch der vielsprachige Gesang, der einen doch tatsächlich an die Größe eines FABRIZIO DE ANDRÉ oder LOU REED und NICK CAVE erinnert, ist bestechend zwischen Singer/Songwriter-Attitüde und warnender Mahner-Beschwörung, der mal tierisch („Mapa Cor De Rosa“), mal electro-poppig („Power“) und mal bedrohlich („B4“) bis hin zu dystopisch („Ser Humano“) klingt.

Auf den ersten Blick bzw. Hör ist die Absicht hinter „No Capital“ kaum zu definieren oder gar zu erkennen – auf den zweiten Blick aber (und zwar auf die Rückseite des LP-Gatefoldcovers) wird vieles deutlicher. Denn hier entdeckt man ein Interview von Nuno Saraiva mit Mosquito, in dem das Kunsttalent feststellt, dass dieses Album als ein Mixtape (mit Stücken aus 20 Jahren) auf Vinyl zu verstehen ist, welches dazu beitragen soll, dass, wenn man diese lose zusammengestellte Musik mehrmals gehört hat, man sein zukünftiges Hörverhalten im Umgang mit anderer Musik umstellen sollte. Ein hehres Ziel.
Nur ob diese Absicht wirklich erreicht wird?


Spätestens wenn man allerdings das grandiose „Hilário“ gehört hat, das wie eine Fortsetzungssong von BRIAN ENOs „Another Green World“ oder „Before And After Science“ klingt, wird einem die Dimension hinter „No Capital“ bewusst.
Musik, die aus der Zeit gefallen ist und im Grunde ein neues Zeitalter einläuten sollte. Das bleibt wahrscheinlich nur ein Wunschtraum – aber immerhin ein schöner.

Noch dazu ist die Klangqualität schlicht überwältigend – absolut perfekt und vor jeder hochwertigen Musikanlage der pure Sound-Trip.
Was soll man dazu noch schreiben?
Vielleicht dieses...


...FAZIT: NÁSTIO MOSQUITOs „No Capital“ ist ein Vinyl-Mixtape mit ausgewählten Aufnahmen aus insgesamt 20 Jahren, die der bildende, in Teilen der Welt berühmte (nicht weltberühmte) Künstler nun als Musiker auf ganz hohem Niveau sowie in bester Klangqualität und strikt auf 500 Exemplare limitiert, präsentiert. Mit „No Capital“ gelingt Mosquito ein sehr ungewöhnliches und rundum spannendes Album, das durch einen an ZAPPAs 'Central Scrutinizer' angelehnten, effektvoll gesprochen Text (über fünf Interludes hinweg) zusammengehalten wird und dabei hinter jedem einzelnen der extrem kritisch und metaphorisch angelegten, in mehreren Sprachen gesungenen Songs, ein ähnlich buntes Bild entfaltet, wie es auch ein anspruchsvolles malerisches Kunstwerk tut. NÁSTIO MOSQUITO, der Galerist, malt im Falle von „No Capital“ mit seinen Kompositionen und Texten ein bildhaftes Stück Musik für die anspruchsvollen Ohren seiner Hörer. Absolute Empfehlung für alle, die neugierig nach ungewohnter, aber spannender Musik suchen.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 107x gelesen, veröffentlicht am )

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  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (17:58):
  • Interlude 1 (0:55)
  • Comédia Da Tragédia (5:11)
  • How Many Rainhas Do You Know? (4:19)
  • Interlude 2 (0:25)
  • Mapa Cor De Rosa (3:55)
  • Interlude 3 (0:37)
  • Ser Humano (2:47)
  • Seite B (15:40):
  • Interlude 4 (0:48)
  • B4 (2:37)
  • Hilário (3:29)
  • Power (4:33)
  • Interlude 5 (0:18)
  • Prisoner Of Hope (3:55)

Besetzung:

  • Gesang - Nástio Mosquito
  • Sonstige - Keine weiteren Angaben zu den anderen Musikern!

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