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Interview mit UNDARLIH (28.02.2026)

UNDARLIH

Seit der Veröffentlichung meiner Rezension des Albums "Torch Eater" von UNDARLIH warte ich nicht nur auf journalistische Auszeichnungen für den gar nicht mal so hässlichen Text, sondern auch auf eine wunderschöne Lesegeschichte über die Krach schlagenden Trunkenbolde in der taz – bislang vergeblich. Was bleibt also anderes übrig, als eine Fackel zu entzünden und Richtung Norden zu schlurfen, um dem garstigen Tim mit einem Bündel lodernder Fragen auf die Pelle zu rücken…?

Hallo Tim! Da habe ich mir bei der Rezension Eures Albums "Torch Eater" ausnahmsweise Mühe gegeben und den Kollegen um Hilfe gebeten, doch bislang sind UNDARLIH meines Wissens nach nicht von Benjamin Moldenhauer für die taz interviewt worden, ergo muss ich mal wieder alles selber machen! Also, wie steht’s im hohen Norden Deutschlands – hilft bei Euch wenigstens eine steife Brise, um die politische Großwetterlage mal für eine Weile an sich vorbeiziehen zu lassen oder braucht es eine totale Verausgabung im Proberaum?

Moin, Thor! Tatsächlich haben wir es noch nicht in das Feuilleton geschafft. Da musst du Benni nochmal postalisch kontaktieren, woran das bisher gescheitert ist. Es braucht wohl mehr als brennende Fackeln und geleerte Dithmarscher, um auf sich aufmerksam zu machen.
Auch wenn es sich in Schleswig-Holstein mit Sicherheit besser als in anderen Teilen Deutschlands lebt, machen die globalen Entwicklungen auch nicht vor unseren Gefilden halt. Das ist schmerzhaft und die politische Realität gleicht immer mehr einem Fiebertraum. Da kann es durchaus hilfreich sein, für ein paar Minuten im Watt zu versinken.

Um die Frage eines Kommentators unter dem Goreminister-Video aufzugreifen: "Aus welchem Moor hat man denn die Jungs rausgezogen?"

Wenn man nur lang genug in der Holsteinischen Vorgeest und dem Himmelmoor in Quickborn sucht, findet man wohl unsere Fußabdrücke und Flüche. Tatsächlich ist im kommenden Album ein Stück von der Geschichte des Bockstensmannens inspiriert, der im Mittelalter ermordet und im "Bockstens Mosse", einem schwedischen Hochmoor, gefunden wurde. Den Tod konservieren und so Religion pervertieren zu können, ist eine faszinierende Eigenschaft der Natur.

Mit der Stilbezeichnung "Disgusting Black Metal" deutet Ihr ja an, dass Eure Musik ähnlich wirken darf wie die "Extreme Deformity" EP von Pungent Stench anno dazumal. Wart Ihr in dieser Hinsicht bislang erfolgreich oder droht "Torch Eater" in der so genannten Veröffentlichungsflut unterzugehen, ohne als besonders abstoßend wahrgenommen zu werden?

Wir geben uns zumindest alle Mühe, das Schöne und Geistreiche aus der Musik rauszuhalten. "Torch Eater" ist keine Satire. Betrunken und angepisst zu sein, ist ehrlich und gefährlich.

In Eurem Krach fließen Black-, Death- und Doom Metal zu einem dreckigen Strom zusammen, der keine Rücksicht auf Stilgrenzen und damit verbundene Befindlichkeiten nimmt. Im Deaf-Forever-Forum fand sich die Selbstbeschreibung: "Misanthropisch, besoffen und resigniert.“ Ohne Euch ein Kompliment machen zu wollen, doch Ihr habt "verdammt effektiv" vergessen, denn dass Euer Krach beim ersten Hören garstig gut ins Ohr geht, musste ja auch der Goreminister erleben…

Wesentliche musikalische Einflüsse waren und sind Bands der ersten und frühen zweiten Welle – Venom, Hellhammer, Master’s Hammer, Isengard und Bathory zeichnen sich allesamt durch eine Effizienz aus, die oft auf einfachen wie einprägsamen Riffs und einer gewissen Epik fußt. Diese Eigenheiten findet man so mit Sicherheit auch bei UNDARLIH. Darkthrone fand ich eh immer cooler als Emperor. Die Welt braucht mehr Razor-Riffs und weniger Hochglanz. Grüße gehen raus an J.S..

In dem Promo-Schreiben zu Eurem Album heißt es: Mit "Torch Eater" erscheint nun ihre erste Kriegserklärung in Albumlänge, die mit verschiedensten rostigen und antiquierten Waffen achtfach brutal und präzise in ebendiese stumpfe Kerbe schlägt. (…) UNDARLIH will nur unseren Tod. Mehr noch ist von der widerlichsten Krächzstimme diesseits der frühen 90er die Rede. Das ist schon großes Tennis von John McEnroe – ich schätze, Ihr fühlt Euch verstanden und gut aufgehoben bei BHN?

Wir hatten bisher das Privileg, mit ausgezeichneten Labels zusammenarbeiten zu können. An dieser Stelle beste Grüße an AbArt Corruption und Fuck the Mainstream – We are the Mainstream Records, die das Demo veröffentlicht hatten. Für das Album haben wir uns allerdings eine Vinyl-Veröffentlichung erhofft. Als ich dann auf Bleeding Heart Nihilist gestoßen bin, ist der Funke sofort übergesprungen, ideologisch wie musikalisch.
Um aus dem Nähkästchen zu plaudern: Ein wenig Überzeugungskunst ist bei der Labelsuche ja immer notwendig. Also habe ich mich damals in den Zug nach Berlin gesetzt, bewaffnet mit einer Flasche Oldesloer. Quasi als Bestechungsmittel. Spätestens ab dem dritten Glas wurde es dann rührselig und man wurde sich einig.
Ich würde es Alex natürlich niemals direkt sagen, damit er nicht vom Boden abhebt, aber ich bin ihm über alle Maße dankbar. Es gibt nur wenige Labels, die sich so sehr dem Zeitgeist widersetzen, sich selbst treu bleiben, und trotz aller weltlichen Hürden so viel investieren. Das werde ich ihm nie vergessen und "Torch Eater" ist genau so rausgekommen, wie wir es uns vorgestellt hatten.

Leo vom Fatal-Underground-Fanzine attestiert "The Dead Slug Keeps Crawling Beneath The Skin" ähnlich wie ich einen nahezu proggigen Aufbau, Ihr seid also ertappt, wobei uns allen klar ist, dass Ihr auch dabei nur gemeinste Hintergedanken hattet – Leugnen ist zwecklos!

Naja, Prog… Das sind wenige Melodien, die über acht Minuten totgeritten werden. Aber hey, es sind Synthesizer, Akustikgitarre und Psalter zu hören. Ein wenig Mühe haben wir uns also schon gegeben. Bezüglich dieses Stückes ist aber denke ich vor allem der Stimmumfang von Arillus hervorzuheben, der hier wirklich alles gegeben hat. Da zahlt sich die Zeit im Chor endlich mal aus.

Auf welcher Wanderung ging wer verloren?

Das haben wir vergessen.

Natürlich erinnert mich der Sound von "Torch Eater" an eine leider schon einige Jahrzehnte zurückliegende Zeit, in der ich häufiger in den Proberaum von Freunden stolperte und dort ihre Fortschritte beim Vernichten der Biervorräte verfolgte. Wie laufen Proben bei Euch ab?

UNDARLIH ist ein reines Studio-Projekt, wir proben also nicht im herkömmlichen Sinne, auch wenn wir uns durch andere Bands und unsere Freundschaft schon regelmäßig und auch im Proberaum sehen. Dennoch ist UNDARLIH eine Band. Ich lege zwar die Musik und die Lyrics vor, der weitere Schaffensprozess findet aber gemeinschaftlich statt. Wir sichten das Material zusammen bei Tee und Bier, lassen unsere Ideen einfließen, und spätestens bei den Aufnahmen kommen dann noch individuelle und spontane Entscheidungen hinzu. Für große Egos ist hier kein Platz.

Im Fratzenbuch hieß es vor einer Weile: "We are working on new material already. UNDARLIH will remain a studio project. No fun, no shows, no core, no trends." – Ich muss da nochmal nachhaken: Wie kommst Du darauf, dass ein UNDARLIH-Konzert Spaß wäre, vor allem für das Publikum, das Euch ertragen müsste?

Auch wenn es die eine oder andere Anfrage gegeben hat, sehe ich UNDARLIH derzeit nicht auf der Bühne. Wir sind alle stark durch andere Bands und Projekte eingebunden und ich bin auch der Meinung, dass nicht alles durch Live-Auftritte entmystifiziert werden muss. Und mal ehrlich: DAS will nun wirklich niemand sehen.

Flammen fressende Metal Heads tauchen auf Promofotos nicht sooo oft auf. Was hat es damit auf sich?

Da sprach der einfache Heavy-Metal-Geist aus uns. Schnee, Fackeln und rostige Waffen empfanden wir als ein stimmiges Setting für das Foto. Entstanden ist es in Kiel, wo wir uns ursprünglich kennenlernten und auch heute noch unsere Proberäume sind.

Auch beim Cover Artwork von "Torch Eater" handelt es sich um einen echten Hingucker. Wen habt Ihr für die Umsetzung Deiner Ideen engagiert?

Das Cover hat Isa von Drowned Orange verbrochen. Sie ist nicht nur eine gute Freundin, sondern war auch Feuer und Flamme für das Projekt. Ich hatte am Anfang sehr genaue Vorstellungen zum Motiv und habe recht viele Details mitgegeben. Das ist für viele Kunstschaffende mit Sicherheit keine gute Voraussetzung. Isa hat sich aber voll darauf eingelassen und wir könnten nicht glücklicher über das Ergebnis sein. Das Motiv läuft als Kunstdruck wohl auch ganz gut. Wer die Musik scheiße, aber das Cover toll findet, kann dann hier zum Kunstdruck greifen.

Kurz vor dem Prophecy Fest sind mit Jürgen Bartsch und nur wenige Tage später mit Tompa zwei Musiker verstorben, die definitiv ihre je eigenen Kapitel im Buch des extremen Metal geschrieben haben, und deren Tod uns einmal mehr daran erinnert, dass wir alle nur ein Gastspiel auf dieser Erde bestreiten. Mit Ende 40 erlebe ich da ein größeres Unbehagen als noch vor zehn oder 20 Jahren, und merke, dass, wenn ich nochmal eine Ausgabe vom Mørkeskye in Angriff nehme, so etwas besonders gut machen möchte und keine halben Sachen. Es geht mir nicht um viele verkaufte Hefte, sondern um etwas, hinter dem ich voll und ganz stehen kann und das sich von dem Rest abhebt. Kennst Du solche Gedankenspiele und welche Rolle spielt in dieser Hinsicht UNDARLIH – vielleicht auch, um dem allzu Grüblerischen zu entkommen?

Und Ozzy. Black Sabbath ist wohl meine absolute Lieblingsband und vor allem die ersten fünf bis sechs Alben haben mich biografisch wie musikalisch unheimlich geprägt.
Ansonsten kann ich nur für mich sprechen: Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich mir heute mehr Mühe mit der Musik gebe als früher. Natürlich lernt man dazu und entwickelt sich. Gerade wo wir mit einem recht konstanten Freundeskreis Musik machen, haben sich viele Prozesse über die Zeit gut eingespielt, was einen positiven Effekt haben wird. Ich versuche dabei aber eher, eine gewisse Leichtigkeit und Gelassenheit beizubehalten und Fehler zuzulassen. Mal gucken, wie es in zehn Jahren aussieht. UNDARLIH ist in jedem Fall eine gute Konstante, um weiterhin die Einfachheit und Emotionen sprechen zu lassen. Nachdenken kann ich am Wochenende.

Danke Dir für Deine Zeit, viel Vergnügen beim Musizieren mit Deinen Bands und Projekten, und hüte Dich vor Konserven!

LOVE DITHMARSCHER
HATE FASCISM

Thor Joakimsson (Info)
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