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Flora Falls: Everyday Love (Review)

Artist:

Flora Falls

Flora Falls: Everyday Love
Album:

Everyday Love

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Singer/Songwriter, Folk- & Indie-Pop

Label: Breakdown Lark Records
Spieldauer: 37:09
Erschienen: 20.03.2026
Website: [Link]

Mit ihrem ersten 'richtigen' Album „Everyday Love“ schlagen BREA ROBERTSON und DOMINIQUE FRICOT zusammen mit ihren Freunden aus der Berliner Musikszene nicht nur ein neues Kapitel ihres Folkpop-Projektes FLORA FALLS auf, sondern definieren die Regeln, nach denen sie sich musikalisch auch in andere Randbereiche (wie z.B. den Indie-Pop) ausdehnen, grundsätzlich neu.

Die Australierin Robertson und der Kanadier Fricot trafen sich im Hauptstadt-Schmelztiegel 2019 bei einer Open-Stage-Veranstaltung und stellten bei einer gemeinsamen Songwriter-Session schnell fest, wie gut sich ihre eigentlich recht unterschiedlichen Stimmen im gemeinsamen Gesang ergänzen und wie ähnlich die songwriterische Grundlagen waren, an denen sie sich seither ausrichteten. Mit den beiden EPs „Ankle Deep“ von 2021 und der 2023er „Hidden From You“ steckten sie zunächst den gemeinsamen Rahmen ab und suchten nach einem eigenen Ansatz, ihre Selbstfindungs- und Empowerment-Songs zunächst in einem Whisperfolk-Umfeld in Szene zu setzten.

Der Erfolg stellte sich für das Duo im Folgenden über die zahlreichen Touren ein – auch als Support-Act für bereits etablierte Indie Acts wie KIM CHURCHILL, TESSA DEVINE oder THE BLAND – über die sich FLORA FALLS auch auf der Bühne als gewiefte Geschichtenerzähler und poetische Träumer etablierten.


Auf dem vorliegenden Debüt-Album ist die musikalische Palette über das ursprüngliche Folk-Setting ausgedehnt und hat sich – subtil aber effektiv – in Richtung einer zeitgemäßen Indie-Pop-Variante entwickelt. Das mag damit zusammenhängen, dass FLORA FALLS auf dieser Studioproduktion als Band agieren, zu der unter anderem der aus der Berliner Noir-Szene stammende Songwriter-Kollege GIDON CARMEL und die australische Trompeterin und Blasinstrumenten-Spezialistin KELLY O’DONOHUE gehörten. Unter der Regie von Produzent JONNY ZOUM entstand so ein Album, das seine musikalische Inspiration aus verschiedenen Quellen schöpft.


Grundsätzlich bauen beide ihre Songs um traumhaft harmonierende und kunstvoll miteinander verwobenen Gesangsparts auf, wobei sich die Grenzen zwischen Lead- und Harmonie- sowie Solo- und Backing-Vocals auf angenehme Weise auflösen. Grundsätzlich kommen FLORA FALLS, was die Melodie- und Harmonieführung betrifft, oft an ihre kanadischen Kollegen OCIE ELLIOTT heran – wie zum Beispiel im Falle eher reduziert instrumentierter Tracks „Don’t Need Anything“ oder „No Hands“ (die dann sogar textlich an die Arbeiten von JON MIDDLETON und SIERRA LUNDY erinnern). An anderer Stelle, wenn zum gediegenen Folk-Setting elektrische Gitarren, Mellotron oder Harmonium hinzukommen („Burning Slow“ oder „Shake The Tide“), erinnert das durchaus an das holländische Duo WOLF & MOON.


Nicht dass hier bewusst etwas emuliert oder kopiert werden soll. So klingt es nun einmal, wenn man aus dem Folk-Purismus ausbricht und sich auch ungewöhnlichen musikalischen Experimenten und einem gelegentlichen Augenzwinkern gegenüber offen zeigt (und zwar im besten Sinne sowie ohne Denkverbote).

Was aber weder OCIE ELLIOTT noch WOLF & MOON zu bieten haben, sind muntere und teils gar druckvolle Up-Tempo-Nummern wie „Brother“, „Young 75“ oder „Not A Stop Sign“, beziehungsweise an den Wurzeln von Psychedelia und oder Cosmic American Music kratzende Tracks wie „Drifting“ oder „Brand New Day“. Hier wird geschrammelt, gepoltert und gejammt wie zu den besten Zeiten der GO-BETWEENS oder gar der TRIFFIDS – denn der Bezug zu australischen Musiktraditionen ist bei diesem Projekt nie weit entfernt. Insbesondere wenn im Hintergrund zusätzlich Gospelchöre, Kammerpop-Bläser und E-Gitarren ins Spiel kommen – wie bei der brillanten Single „Brother“ – gibt keinerlei stilistisches Halten mehr.


FLORA FALLS legen es erneut darauf an, etwas grundsätzlich Neues zu erschaffen, ohne ausschließlich in romantischer Verklärtheit oder gar kuratorischer Traditionspflege ihr Heil zu suchen.
Tatsächlich ist „Everyday Love“ in atmosphärischer, klanglicher, emotionaler und selbstredend auch musikalischer Hinsicht besonders ausgewogen. Geschickt wird mit verschiedenen Versatzstücken aus Indie- und Folk-Pop jongliert und dabei eine starke songwriterische Basis bedient. FLORA FALLS sind in erster Linie Songwriter und erst in zweiter Linie Pop-Musiker. Ihre Songs funktionieren selbst ohne großes Besteck im ursprünglichen, akustischen Setting.


FAZIT: BREA ROBERTSON und DOM FRICOT balancieren auf ihrem Debüt-Album „Everyday Love“ mit ihrem Projekt FLORA FALLS als Songwriter und Musiker mit traumwandlerischer Sicherheit zwischen tiefgründiger Nachdenklichkeit und inspirierender Leichtfüßigkeit hin und her - und schütteln dabei eine ganze Reihe an Killertracks und potentiellen Hits mit echtem Pop-Appeal aus dem Ärmel. Das unterscheidet und setzt sie von vergleichbaren Acts aus dem Folkpop-Umfeld ab, die stilistisch oftmals lieber auf Nummer sicher gehen.

Ullrich Maurer (Info) (Review 42x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 14 von 15 Punkten [?]
14 Punkte
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Tracklist:
  • Everyday
  • Don't Need Anything
  • Brother
  • No Hands
  • Burning Slow
  • Your 75
  • Interlude
  • Not A Stop Sign
  • Drifting
  • Shake The Tide
  • Brand New Day

Besetzung:

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