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Martin Kohlstedt: Kluft (Review)
| Artist: | Martin Kohlstedt |
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| Album: | Kluft |
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| Medium: | CD/LP/Download | |
| Stil: | Neo Klassik, Improvisation, Electronica, Ambient |
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| Label: | Edition Kohlstedt | |
| Spieldauer: | 42:14 | |
| Erschienen: | 22.05.2026 | |
| Website: | [Link] |
Die Alben des Weimarer Musikus, Förstersohns und Waldpflegers MARTIN KOHLSTEDT sind gewissermaßen immer ein bisschen geheimnisvoll. Nicht nur – aber auch – weil die kryptischen LP-Titel und Track-Namen seiner Produktionen ohne Kontext oft nicht viel verraten, vor allem aber, weil es eine Kluft gibt zwischen dem Live-Performer Kohlstedt und seinen mitreißenden, spannungsgeladenen und erstaunlich kommunikativen Events, bei denen er sich als improvisatorisches Genie und von der Tagesform getriebene Rampensau präsentiert (und dabei auch öfter mit anderen Musikern kollaboriert) - und den metikulös angerichteten Studio-Produktionen auf der anderen, wo er Improvisation, Sounddesign und Konzept zu einer faszinierenden Einheit verdichtet.
Das gilt ganz besonders auch für sein neues Werk, welches passenderweise gleich den Namen „Kluft“ erhielt. Der Gedanke dahinter ist wohl die namensgebende Kluft sowohl als leeren räumlichen Bereich zwischen Felsformationen wie auch im philosophischen Sinne vielleicht trennende Linie oder den verbindenden Übergang zwischen Seinszuständen zu betrachten, die Kohlstedt mit seiner dieses Mal in Weimar, Köln und Berlin produzierten Musik zu füllen gedenkt.
Hierfür wählte er das Format von 12 relativ kurzen, ziemlich stark durcharrangierten Stücken, die allesamt mit einem eigenen musikalischen Mäntelchen daherkommen und sich im Grenzbereich zwischen improvisatorischer Kleinkunst und konkret formatierten Kompositionen bewegen, welche dann in sich vereint ein klanglich ganzheitliches Bild ergeben. Der unterschiedliche musikalische Charakter des Materials soll dabei – so der Musiker – als künstlerische Antwort auf eine zunehmend fragmentierte Welt aufgenommen werden.
Kohlstedt war es bei dieser Produktion wichtig, den organischen und teils sogar überwiegend akustischen Charakter des Materials zu betonen, um so auch eine Verbindung zu den digitalen und elektronischen Bestandteilen seiner Kunst zu vermitteln, wobei er als Arrangeur und Komponist weiter geht, als er es auf anderen Produktionen getan hat.
So schrieb er über den als Single vorab veröffentlichten Song „RAH“, dass dieser wohl der „konzipierteste und detailreichste sowie bis ins Kleinste geschliffene Track“ des Albums sei. Konkret bedeutet das, dass der Track in einer Song-orientierten Form daherkommt; inklusive Intro und Outro, einer deutlich erkennbaren Melodie und einer modernen Inszenierung mit Bass-Synthesizer, Samples aber auch getweaktem Piano plus perkussiver Rhythmik.
Selbst wenn das nicht bei allen Tracks der Fall ist, hat sich Kohlstedt auf diesem Album viele interessante Arrangements einfallen lassen. Die meisten der gehörten Bestandteile – klassisches Klavier, E-Piano, Synthesizer, Samples, Beats und Fieldercordings – setzt er selber um, lässt sich aber bei dem Track „MEM“ zusätzlich von Streichern unterstützen. Auch solistisch bewegt Kohlstedt viel: Auf dem Track „GlI“ arbeitet er etwa mit Orgel-ähnlichen Bestandteilen, auf „RAI“ experimentiert er mit verfremdeten Vokal-Elementen und bei „VEU“ mit soundtrackartigen Orchester-Emulationen.
Der improvisatorische Charakter seines Tuns kommt am stärksten zum Vorschein, wenn er sich in Stücken wie „GLI“, „KID“ oder „MEA“ auf wenige, akzentuierte Bestandteile (Synthesizer oder E-Piano) verlässt, welche er dann oft eher lautmalerisch als melodisch bearbeitet.
Bekanntlich ist MARTIN KOHLSTEDT auch als Filmkomponist erfolgreich tätig, was sich auf diesem Album deutlich äußert, wenn er hier die Soundästhetik etwa von VANGELIS oder RIUICHI SAKAMOTO zumindest referenziert. Dass das Ganze trotzdem nicht zur musikalischen Ambient-Tapete wird, liegt an der detail- und variantenreichen Inszenierung sowie den sehr unterschiedlichen Stimmungen, die er einfängt. Was indes die aus jeweils drei Buchstaben bestehenden Track-Titel bedeuten, wird selbst durch die avantgardistischen Bildwelten von Kohlstedts Videos nicht deutlich.
FAZIT: Mit seinem siebten Album „Kluft“ gelingt es MARTIN KOHLSTEDT durch das geschickte Timing (viele der Tracks erreichen nicht mal die 3-Minuten-Grenze) und die abwechslungsreiche Inszenierung den Spannungsbogen über die gesamte Spielzeit hoch zu halten und somit sein bislang kurzweiligstes und unterhaltsamstes Werk zu erschaffen.
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- CON
- DRI
- GLI
- KID
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- Keys - Martin Kohlstedt
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