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Roddy McKinnon: Lake (Review)

Artist:

Roddy McKinnon

Roddy McKinnon: Lake
Album:

Lake

Medium: CD/Download
Stil:

Singer/Songwriter, Folk

Label: Silberblick Musik/Eigenvertrieb
Spieldauer: 38:39
Erschienen: 08.05.2026
Website: [Link]

„Der See hat so viele Namen, er bedeutet so viele Dinge. Er verändert sich ständig. Wir alle sehen ihn unterschiedlich. Er ist allgegenwärtig.“ (Roddy McKinnon)

Tiefes Eintauchen ist angesagt.
Eintauchen in die musikalische Welt und ins Wasser eines Sees, in das RODDY MCKINNON auf seinem Album-Cover und dem dazugehörigen Album-Titel „Lake“ eintaucht, um uns erneut tief an seinen intimen Gedanken, Visionen und Erinnerungen als Singer/Songwriter und vor allem als angreifbarer, zerbrechlicher Mensch teilhaben zu lassen. Denn ein Leitsatz seines musikalischen wie textlichen Schaffens lautet unumwunden: „Wenn man sich erinnern kann, kann man sich auch eine Zukunft vorstellen.“

Und wenn McKinnon erst eine Rose, aber auch einen Fisch (in seinem letzten Video) auf seine Haut malte, um dann in den reinigenden See einzutauchen, ist die Logik hinter seinen Gedanken und Liedern, die sich gegenseitig zu ergänzen und eine immerwährende Fortsetzungsgeschichte (rund um seine Krebskrankheit) zu erzählen scheinen, absolut logisch.


So beginnt „Lake“ mit einer herrlichen, traurigen wie ehrwürdigen Liebeserklärung McKinnons an sein altes Radio, das ihn einerseits durch seine Vergangenheit begleitete, aber noch immer – obwohl so viele diese längst abgeschrieben und sich der digitalen Verführung unterwarfen – in der Gegenwart begleitet.

Der schottische Musiker, welcher sich vor Jahren in die französische Sprache verliebte (Hier hört's man auf „Tous le chemins“), verließ Glasgow, um die sonnigeren Orte in seinem Leben zu suchen, bis der Krebs ihn hinterrücks heimsuchte.
RODDY McKINNON ist retro und setzt als Erinnerungsarchivar auf das große Retro, als man eben mehr der Arbeit und Musik, die mit den eigenen Händen und der eigenen Stimme entstand, vertraute und nicht der digitalen Verfremdung, die alles irgendwie passend (und austauschbar) zu machen scheint.

„Lake“ ist das Wasser ohne Balken eben. Abtauchen und genießen, aber auch die unberechenbaren Gefahren darin nicht unterschätzen.
Stereo-Effekte, die eine klare Kanaltrennung zwischen links und rechts aufweisen – so wie man's aus den 60er-/70er-Jahren und eben aus seinem alten Radio noch immer gut kennt, bzw. wenn man die unremasterten Platten seiner alten Helden auflegt, gehören genauso zu der McKinnon-Musik wie der natürliche, akustische Sound.

Plötzlich aber tauchen auch todesverheißende Krokodile auf („Crocodile“), die im Leben außerhalb des Sees tödliche Krankheiten, wie beispielsweise der Krebs, der auch McKinnon befallen hatte, sein könnten. Denn nach dem 2024er-Album „Time's A Dog“ und dem 2025er-Album „Tourist On The Moon“ ist „Lake“ der letzte Teil der als Trilogie gedachten Album-Reihe, mit der McKinnon ausführlich und emotional seine eigene Krebserkrankung aufarbeitet. Und erscheint es hier nicht schon logisch, dass, wenn der erste Teil („Time's A Dog“) mit dem Song „Swim“ begann, der letzte Teil im See endet, in dem McKinnon eintaucht und schwimmt, aber nicht untergeht!?
Auf jeden Fall!


Trotzdem wohnt allen ruhigen Songs eine Trauer und Melancholie inne. Emotionen, die zum Mitfühlen einladen, manchmal gar ein wenig Schmerz verbreiten. Das schmerzt – nicht nur ihn, sondern auch den Hörer, wenn er sich auf so viel Intimität einlassen kann (oder vielleicht – so wie der diese Zeilen verfassende Kritiker – selber schon mit dieser Krankheitsdiagnose konfrontiert und den Kampf aufgenommen und bisher gewonnen hat).
McKinnon weiß, wovon er singt. Das fühlt man. Das hört man. Das bewegt einen, weil man sich nur schwer der Intensität jedes einzelnen der drei Alben entziehen kann, bei der „Lake“ zu einem würdig-bewegenden Abschluss der Trilogie um eine Krankheit wird, die einen schwächt und die noch immer überall lauert, die man aber erfolgreich bekämpfen kann; in diesem Falle eben mit der Musik von RODDY MCKINNON.


FAZIT: Er ist mit allen Wassern gewaschen – nicht nur mit denen des Sees! „Lake“ ist der dritte und zugleich letzte Teil der 'Krebs'-Trilogie von RODDY MCKINNON, in der er sich intensiv mit dieser – seiner – Krankheit auseinandersetzt und sie so in gewisser Weise als eine Art Folk-Singer/Songwriter, der fest in den Siebzigern verwurzelt scheint, wegsingt, so als wäre an ihm ein NICK DRAKE oder TIM BUCKLEY verlorengegangen. Ganz, ganz großes Gefühl gepaart mit jeder Menge Mut vereint in einem Album (oder genauer drei Alben), das uns ganz große Geschichten mit viel Zerbrechlichkeit erzählt und einer Stimme zum Klingen bringt, die genauso bewegend und fragil wie die Geschichten der zehn Songs ist – und mit solch einfacher Erkenntnis aufwartet, wie: „Close the window / It's cold outside“! Und egal, wie viele Wellen auch McKinnons Leben schlägt, er wird immer wieder aus dem besungenen „Lake“ auftauchen, weil er sich nicht nur treiben lässt, sondern weiß, sich über Wasser zu halten, wenn's manchmal auch nur mit dem Hundepaddeln, wie er es im ersten Album der Trilogie beschrieb, gelingt.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 17x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Old-time radio
  • Two carpenters
  • Tous le chemins
  • Crocodile
  • Southern belle
  • Walking the fields of France
  • Apologies to a mountain
  • Close the window
  • Red dragons
  • Wanted

Besetzung:

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