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Der Pestbote: Ausgabe 10 (Review)

Artist:

Der Pestbote

Der Pestbote: Ausgabe 10
Album:

Ausgabe 10

Medium: Fanzine
Stil:

Black Metal

Label: Sturmglanz Black Metal Manufaktur
Spieldauer: 68 Seiten
Erschienen: 12.10.2025
Website: [Link]

Es ist ein irgendwie von Euphorie getragener – vielleicht jedoch auch unfreiwilliger – okkulter Charakter, der die zehnte Ausgabe des sich selbst als "Black Metal Underground Magazin" bezeichnenden DER PESTBOTE durchwirkt: Auf 68 Seiten finden sich Interviews mit Bands und Aktiven jener Szene, doch auf Einleitungen der Gespräche wurde weitestgehend verzichtet, nicht selten wird noch nicht einmal der Name (oder die Namen) des bzw. der Gesprächspartner(s) erwähnt, das Lektorat hat nicht nur die Rechtschreibung und Interpunktion zu Geheimwissenschaften erkoren, sondern etliche sprachliche Ungenauigkeiten hemmen den Lesefluss, und wecken neben schludriger Recherche auch bei manchem Musiker das Bedürfnis, den Fragesteller zu korrigieren.

Insofern nährt DER PESTBOTE mit seiner zehnten Ausgabe (nicht jedoch seiner zehnten Jubiläumsausgabe) den Verdacht, dass die Schreiber technische Neuerungen weitgehend ignorieren und ihr Heft ähnlich zusammenbasteln wie anno dazumal zum Beispiel die Ablaze-Crew, ohne allerdings in den meisten Fällen eine ähnliche Nähe zur Band in den Artikeln herzustellen wie das einstige Kult-Magazin. Bei der Lektüre bleibt offen, wann die Neugier überwiegt, und wann – freundlich formuliert – eine seltsam anmutende Gemütlichkeit. Letztere führte anscheinend auch dazu, dass der Fotograf des Umschlagmotivs nicht genannt wird – was Necroshorns bereits beklagte. Doch auch einige Interviews provozieren die Frage, warum bestimmte Aussagen nicht zu weiteren Fragen, gleichwohl zu einem lebendigen Gespräch führen. So verrät zum Beispiel ein von "niederen" und "höheren Menschen" sprechender Musiker der finnischen Band Nocturnal Sorcery, dass er sich nicht nur für Friedrich Nietzsche und Julius Evola interessiert, sondern u.a. auch für Theodor Adorno und Hannah Arendt, und hält ein Plädoyer, die "Banalität des Bösen" zu akzeptieren – wenn das mal nicht wenigstens eine Nachfrage wert ist? Doch echtes Interesse am Gegenüber wird hier kaum deutlich und für Tiefgang sind in erster Linie die Interviewten verantwortlich, die sich in manchen Fällen über den Raum freuen, den sie im PESTBOTEn füllen dürfen.

Anstatt zum x-ten Mal festzustellen, dass der Black Metal der Neunziger Jahre mit all seinen Eskapaden nicht mehr allzu viel mit dem vielgestaltigen Black Metal der Gegenwart gemein hat, rufen Hadopelagyal den Wettbewerb aus, wer die lustigste Antwort gibt – Beispiel gefällig?

DER PESTBOTE: Andere Bands, die auf den gleichen Pfaden wie ihr wandeln, legen viel Wert auf eine gewisse Ganzheitlichkeit. Eure Shows sind keine Konzerte im herkömmlichen Sinne, sondern Rituale. Lediglich Kerzen geben auf der Bühne spärliches Licht. Was kann man dahingehend von einem Hadopelagyal-Ritual erwarten?

Hadopelagyal: Nur purpurn glimmt der weissagende Schlund, selbst angesichts der Beschwörung übersintflutlicher Katastrophen.

Es spricht Bände, dass bei diesem Interview der Schriftsatz von Fragen und Antworten durcheinander gewirbelt wurde und die Lektüre noch rätselhafter macht – auch an dieser Stelle fällt es mir schwer zu glauben, dass die Druckdaten geprüft wurden, bevor das Heft in Druck gegeben wurde.
Einen Text über "Black Metal in Griechenland" auf einer halben Seite als "Spezial" zu präsentieren, mutet fürwahr speziell an. Deutlich ergiebiger erweist sich das Gespräch mit dem das "Black Hole Fest" organisierenden Duo, das Einblicke in die Herausforderungen eines solchen Events gewährt.

Dass ausgerechnet bei einem lesenswerten Interview wie dem mit Andy von Saor Persönliches offensichtlich Sinn verfälschend übersetzt wird, mutet vor allem respektlos gegenüber dem Musiker an, der von "einer weiteren demütigenden Erfahrung" spricht, wenn er Fans mit Saor-Tattoos sieht – gemeint ist hier sicher eine demütig machende Erfahrung. Insofern dürfen sich die Leser glücklich schätzen, dass das Interview mit Bergthron nicht übersetzt werden musste und eine Aussage wie „ich höre jetzt lieber den Wind in meinen Ohren oder das Rauschen des Gebirgsflusses“ im Originalwortlaut abgedruckt wurde – auch das ist Black Metal…?!

Bei einem Preis von 10,90 € für eine Ausgabe mit Poster muten Anzeigen (auf fünfeinhalb Seiten) ebenfalls seltsam an, und die beigelegte CD-Compilation mit dem Titel "In grausig kalten Winternächten" enthält zwar 13 Tracks, allerdings sind nur die Bands Salzlandpest und Todgeweiht mit Interviews im Heft vertreten, was den Gesamteindruck einer großen Zusammenhanglosigkeit verstärkt.

FAZIT: Auf den ästhetischen Spuren des Ablaze-Magazins verweilt DER PESTBOTE mit seiner 10. Ausgabe tief im Schatten jener prägnanten Publikation und mutet aufgrund der inhaltlichen und stilistischen Makel seltsam unfertig an. Da bei einer 10. Ausgabe kaum noch von Anfängerfehlern gesprochen werden kann, stellt sich u.a. die Frage, warum die Macher dieses überteuerten Blatts ihre eigenen Texte anscheinend nicht ein einziges Mal Korrektur lesen, geschweige denn inhaltlich nachhaken, wenn es sich anbietet. Mir ist nicht begreiflich, warum man zweifelsohne einiges an Zeit in ein "Magazin" investiert und dann mit so etwas Halbgarem um die Ecke kommt.

Thor Joakimsson (Info) (Review 61x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Interviews mit:
  • Cromlech
  • Gernotshagen
  • Total Hate
  • Saor
  • Hadopelagyal
  • Serpents Oath
  • Galgenfrist
  • Shaarimoth
  • Todgeweiht
  • Nocturnal Sorcery
  • Blood Red Fog
  • Salzlandpest

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
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