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Squeaky Feet: Overview Effect (Review)
| Artist: | Squeaky Feet |
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| Album: | Overview Effect |
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| Medium: | CD | |
| Stil: | Progressive-, Psyche-, Jazz- und Jam-Rock, Fusion |
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| Label: | Squeaky Feet Music/Just For Kicks | |
| Spieldauer: | 64:17 | |
| Erschienen: | 31.10.2025 | |
| Website: | [Link] |
Ungebremst geht es mit den nunmehr nicht mehr quietschenden Sohlen aus Amerika weiter. Denn die wilden Herren schlugen auf ihrem Debüt noch gehörig Alarm. Und da die neuen Schuhe ja bekanntlich nur in ihrer Anfangsphase quietschen, hauen SQUEAKY FEET nun den Nachfolger raus, der die bereits eingeschlagenen Pfade mit noch stärker eingelaufenen Sohlen souverän beschreitet, fortsetzt und vertieft. Es bleibt weiterhin kunterbunt. Hier progt es, hier rockt es, hier jammt es, hier frickelt und rifft es, wobei gerne auch psychedelische wie moderne Wege eingeschlagen werden. Eine pure bunt besohlte Fusion aus mitunter irre anmutenden Ideen, die hier in einer guten Musikstunde weit ausgebreitet und mit an Perfektion grenzendem musikalischem Gespür umgesetzt werden.
Die SQUEAKY FEET platzieren ihre Jam-Eruptionen mitten zwischen den progressiven Korridoren von KING CRIMSON bis PORCUPINE TREE und GRATEFUL DEAD, durch die sie ihre eigenen quietschenden Fußabdrücke und 70er-Jahre-Sohlen hinterlassen. Noch dazu ist es nicht nur die Musik, sondern auch der Gesang, der überzeugt, wobei sogar hinter den Texten Inhalte stecken, die zum genaueren Hinören und Nachdenken einladen. Verantwortlich hierfür ist Gitarrist und Songschreiber Colin Shore, der betont: „Auf diesem Album geht es darum, sich Widrigkeiten zu stellen, sie zu überwinden und Probleme durchzustehen. Wir wollen, dass es hart trifft – emotional wie musikalisch. Ein musikalischer Schlag in die Magengrube.“
Und ja: „Overview Effect“ ist ein musikalischer Volltreffer, der sitzt und bei dem alle, die hier nicht schwer ge- und betroffen diesem progressiven Feuerwerk folgen, sich wohl in einem gänzlich anderem Musik-Universum bewegen. Die dürfen gerne in die Knie gehen und Richtung Mainstream ihr weiteres Glück suchen.
Alle Anderen werden dafür von Anfang („Irish Goodbye“ als anfangs eingängiger Song, der dann massiv Richtung KING CRIMSON abdriftet) bis Ende (der 16-Minuten-Longtrack „Overview Effect“ in bester Manier ihrer amerikanischen Landsleute SPOCK'S BEARD, denen sie mit diesem Album tatsächlich echte Konkurrenz zu machen scheinen) bis Ende belohnt.
In dem zehnminütigen „Common Ground“ brillieren SQUEAKY FEET zudem nicht nur mit ihren komplexen Jam-Qualitäten, sondern lassen zugleich groovende Funky-Rhythmen raus, die einem wortwörtlich die Schuhe ausziehen, bis völlig überraschend elektronische Synthie-Klänge übernehmen. Wow! Hier quietscht nichts, hier kracht es herrlich wild und der Hörer wird durch eine lautes wie leises, akustisches wie elektronisches Wechselbad der Gefühle gejagt.
Nach zwei dermaßen starken Alben hat sich die 2019 von Absolventen des Berklee College Of Music gegründete Band tatsächlich bei so viel Innovation und Können definitiv in die Spitzengruppe der Prog-Jam-Szene gespielt. Hier stimmt im Grunde alles, was das Herz leidenschaftlichen, komplexen Prog-Genusses begehrt – oder um es mit den Worten des Quietsche-Schuh-Bassisten Jimmy Finnegan auszudrücken: „Dieses Album ist ein prägnanteres und konzentrierteres musikalisches Projekt. Es hat eine definierte Stimme – eine, die noch Raum für Wachstum lässt, aber deutlich darauf hinweist, wer wir werden.“
Okay, dann bleibt nur noch festzustellen, dass, wenn es mit SQUEAKY FEET auf diesem Niveau weitergeht, sie etwas ganz Großes werden. Allerdings sollten sie nunmehr auch darüber nachdenken, ihren Alben ein Booklet mit den ansprechenden Texten beizufügen und sich nicht nur auf ein aufklappbares Digipak beschränken.
FAZIT: Musikalische Komplexität wird mal wieder ganz großgeschrieben bei SQUEAKY FEET. Hier quietscht nichts mehr – noch nichtmal die neuen Schuhe, die nunmehr auf „Overview Effect“ tiefe Spuren und Prog-Jam-Psyche-Jazz-Rock-Sohlen-Abdrücke hinterlassen, die es in sich haben und an Kreativität kaum noch zu übertreffen sind. Ein progressiver Glücksgriff, der bei so viel Spielfreude, heißen Rhythmen und spannenden (mitunter warm-einschmeichelnden) Harmonien plus flotten Grooves in dieser arschkalten Jahreszeit selbst das Eis vor der Haustür zum Schmelzen bringt. Quitesche-Sohlen-Prog mit Eiern!
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- Irish Goodbye
- Brainrot
- Common Ground
- Never Break
- The Detective
- Caveat Emptor
- Birds Of Prey
- Tooth And Nail
- Overview Effect
- Bass - Jimmy Finnegan
- Gesang - Colin Shore, Jimmy Finnegan, Brian Keller
- Gitarre - Greg King, Colin Shore
- Keys - Brian Keller
- Schlagzeug - Kevin D'Angelo
- Sonstige - Brian Keller (Hörner, Saxophon, Flöte)
- Cause For Alarm (2024) - 12/15 Punkten
- Overview Effect (2025) - 13/15 Punkten
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