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Rafael Pacha: Not Normal After Music (Review)

Artist:

Rafael Pacha

Rafael Pacha: Not Normal After Music
Album:

Not Normal After Music

Medium: CD
Stil:

Progressive- und Jazz-Rock, Fusion

Label: Seacrest Oy/Just For Kicks
Spieldauer: 64:31
Erschienen: 18.02.2026
Website: [Link]

„Jazzmusik erzeugt eine fiebrige Gehirnstörung, die zu schlechter Laune, Trägheit, Müdigkeit und gesundheitlichen Problemen führt.“ (Warnung im Booklet zu „Not Normal After Music“)

Na, das ist doch mutig. Und riskant!
Tatsächlich ist es ein gewagtes Unterfangen, als einer, der besonders durch THE SAMURAI OF PROG in der Prog-Szene bekannt geworden ist, so wie RAFAEL PACHA, auf seinem aktuellen Solo-Album, das natürlich wieder mit jeder Menge Unterstützung von Gastmusikern plus einiger 'Samuraien' – benannt als THE FRIENDS OF (CON)FUSION – eingespielt wurde, eine dermaßen bedrohliche 'Jazz-Warnung' zu verewigen, die auf der letzten Booklet-Seite fett hervorgehoben wird. Dabei erscheint alles, angefangen vom 16-seitigen Booklet über das sehr schön gestaltete dreiflügelige Digipak alles im allerbesten THE SAMURAI OF PROG-Stil.
Und so viel ganz ehrlich im Voraus: Es ist wiederum bester THE SAMURAI OF PROG-Stil, eben nur mit einer harmonischen, sehr progressiven Jazz-Tendenz. Jazz, der nicht auf wilde, freie Experimente, sondern oft ruhigere Harmonien und progressiv rockende Verspieltheit setzt. Genau das eben, was Prog-Rocker so gerne in ihren Longtracks praktizieren, wenn sie darin immer wieder einen aparten, aber nie zerstörerischen Jazz-Teil unterbringen.

Musik also, bei der einem immer wieder die großen drei Freitagnacht-Aktivisten mit ihren Solowerken in den Sinn kommen – also AL DI MEOLA, PACO DE LUCIA & JOHN McLAUGHLIN. Aber auch ein JOE ZAWINUL und GEORGE DUKE kommen einem wieder und wieder in den Sinn. Wenn die sich allesamt entschließen würden, ein Album mit einer Kombination aus Jazz und Prog aufzunehmen, dann sollten sie unbedingt RAFAEL PACHA und THE FRIENDS OF (CON)FUSION zurate ziehen. Denn der leistet auf „Not Normal After Music“ ein faszinierendes Vorspiel, das den Prog friedlich und größtenteils recht ruhig und entspannt mit dem Jazz vereint. Das verrät natürlich sofort der (Con)Fusion-Name von Pachas Freunden – hier werden die beiden Musikstile fusioniert, was es das musikleidenschaftliche Zeug hält.

Im Mittelpunkt von „Not Normal After Music“ steht der regelrecht monströse wie epische fast 19 Minuten umfassende Longtrack, in dem erstmals auch Gesang von Alessandro di Benedetti (ebenfalls ein fester Mitstreiter bei THE SAMURAI OF PROG) und Paula Pörsti auftaucht und sich zu einem symphonischen Stück, in dem zugleich Zither und Saxophon auftauchen, entwickelt. Hier werden gar Erinnerungen an einen ROBERT WYATT wach. Absolut beabsichtigt aber ist die Parallele, die Pacha zu ANTOINE DE SAIN EXUPERY und dem 'Kleinen Prinzen' aufbaut. Denn genau um die geht es in dem Stück. Vielleicht sollte man nach dem Hören von „Plowman Of The Sky“ mal wieder zu diesem wunderschönen und weltweit meistgelesenen Buch – zumindest wenn man noch immer mit dem Herzen gut sieht – greifen. Oh ja, unweigerlich lassen sich die musikalischen Parallelen zu diesem literarischen Meisterwerk über den wahren und guten Menschen wiedererkennen: „You've seen hats / and I've drawn an elephant / Tell me, what is real for us?“

Also: Für alle, die ängstlich der Jazz-Szene abgeneigt sind, weil die in ihrer klassischen Art längst zur Nischen-Musikkultur geworden ist (Was übrigens in der DDR niemals der Fall war, da sie dort ganz besondere Aufmerksamkeit bekam und gefördert wurde...), für die kann in puncto „Not Normal After Music“ Entwarnung gegeben werden. Wen allerdings THE SAMURAI OF PROG begeistern, der kann beinahe bedenkenlos bei diesem Album von RAFAEL PACHA & THE FRIENDS OF (CON)FUSION, auf dem erneut durchgängig der Samurai-Trommler KIMMO PÖRSTI hinter den Fellen sitzt, zugreifen.

Dass es nach diesem fusionierten Meisterwerk aus Musik und Literatur dann auf „When In Doubt...“ mit lateinamerikanischen Klängen der ersten Güteklasse weitergeht, scheint mehr als passend. Da hat wer den Abflug (aus der Wüste) tatsächlich gepackt und landet auf einer Oase lateinamerikanischer Schönheit. Schönheit, die sich in all ihren unterschiedlichen Musik-Spielarten von der ersten bis zur letzten Minute dieser angenehm fusionierten Musik-Stunde hinter „Not Normal After Music“ fortsetzt – und im finalen „Wonder If I'll Be“ noch einmal mit dem wunderbaren Gesang mit leichter Gabriel-Note von John Wilkinson (THE SWAN CHORUS) aufwartet. Ein Song mit klarer Botschaft (vielleicht auch für diejenigen, die wie wild an unserer Meinungsfreiheit rumzuklempnern versuchen): „What you think / Is the truth / Maybe is a fake / To anybody else / My friend […] Will I feel sadness / Or just one hope for everything?“

Nach „Not Normal After Music“ können wir trotz aller Warnungen absolut hoffnungsvoll bleiben.


FAZIT: Auf „Not Normal After Music“ vereint RAFAEL PACHA mit seinen THE FRIENDS OF (CON)FUSION die Harmonie des Progressive Rock mit der des Jazz und lässt (nicht nur bei den in begleitenden Musikern) genau die Atmosphäre von THE SAMURAI OF PROG aufblitzen, die er schon seit Jahren als Multiinstrumentalist mit seinem Gitarren-, Flöten-, Zither-, Keyboard- und Geigenspiel bereichert. Und dass er besonders auch auf das Gute im Menschen setzt, beweist er mit dem beeindruckenden Longtrack „Plowman Of The Sky“, bei dem er sich musikalisch wie textlich unmittelbar auf Exuperys „Der kleine Prinz“ bezieht.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 158x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Contradiction
  • El Diablo Cuando Se Aburre...
  • Joy
  • Plowman Of The Sky
  • When In Doubt...
  • Top Of The Hill
  • Silence Is A Sticker
  • Wonder If I'll Be
  • Joy – Alternative Version (Bonus Track)

Besetzung:

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