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Ggwendolyn: Superstar Syndrome (Review)

Artist:

Ggwendolyn

Ggwendolyn: Superstar Syndrome
Album:

Superstar Syndrome

Medium: CD/Download
Stil:

Indie-Pop, Singer/Songwriter

Label: Eigenproduktion
Spieldauer: 35:24
Erschienen: 31.07.2026
Website: [Link]

Zwar besteht die Gefahr, dass man beim Googeln des Namens GGWENDOLYN von der KI schnell in die Irre geführt wird, aber dennoch lohnt sich die Suche nach der Songwriterin aus Los Angeles, die dieser Tage ihr Debüt-Album „Superstar Syndrome“ veröffentlicht. Man muss nur eben aufpassen, denn zum einen enthüllt die Künstlerin mit iranisch/italienischen Wurzeln bislang nicht ihren vollen Namen und zum anderen hatte sie zuvor mit dem nicht weniger ungewöhnlichen Künstlernamen WENS agiert, als GGWENDOLYN hingegen erste EPs veröffentlicht.

Neu im Geschäft ist GGWENDOLYN also nicht wirklich. So schrieb sie bereits 16-jährig als WENS Songs für Kollegen wie CHAPPEL ROAN, FLETCHER oder RYN WEAVER und veröffentlichte im letzten Jahr ihre Debüt EP „Nancy & The Crooked Cowboy“ unter dem neuen Moniker GGWENDOLYN. Das erklärt vermutlich, dass das Album „Superstar Syndrome“, welches sie mit ihrem Partner ELIJAH WELLS (der in ihrer Band Bass spielt) dem Vernehmen nach in nur einer Woche kreierte, so ausgeschlafen, clever und substantiell rüberkommt wie das Werk einer versierten, langjährigen Veteranin (die GGWENDOLYN ja im Grunde genommen auch ist).

Wie dem auch sei: GGWENDOLYN gehört zu jener Spezies von Künstlerinnen, die man erfinden müsste, wenn es sie nicht schon gäbe. Und warum? Nun, weil sie so ziemlich alle musikalischen Facetten bedient, die von eine junge DIY-Musikerin zu erwarten stünden, diese Erwartungshaltungen dann eigentlich sogar über-erfüllt, dabei so ziemlich alle ähnlich tickenden Mitstreiterinnen hinter sich lässt, alles auch noch leicht klingen lässt und obendrein mit einigen handfesten Überraschungen aufwartet, die dann eben doch nicht zu erwarten gewesen wären.


Das beginnt bereits damit, dass sie im Opener und Titeltrack „Superstar Syndrom“ (der in Form eines eher unschuldigen Indie-Pop-Songs daherkommt) festmacht, wohin sie eigentlich mit ihrer Musik möchte – und es hört noch lange nicht damit auf, dass sich mit „Tehran“ ein absolut ernsthafter Polit-Song auf dem Album befindet, mit dem sie auf die gegenwärtigen Verhältnisse im Iran eingeht. Hierzu sollte man wissen, dass GGWENDOLYN italienisch/persische Wurzeln hat und den Iran als ihre Heimat betrachtet. Musikalisch bedient sie sich dabei des Kunstgriffs, einen psychedelischen Folksong mit produktionstechnischen Mitteln zu einem dystopischen Klagelied mit gesampelten Beats und einem persischem Santoor (einer Art Zither) umzuformen – und zu bereichern.


Ähnlich unkonventionell sind auch einige der anderen Tracks angelehnt. Der Song „Crisscross Way“ – mit dem GGWENDOLYN ebenfalls auf ihren multikulturellen Hintergrund eingeht - begeistert etwa mit polternden Beats, mächtig groovenden Tribal-Folk-Riffs auf der akustischen Gitarre (wie man sie hierzulande zuletzt von WALLIS BIRD kannte) und entsprechendem Call-&-Response-Gesang.
„Don’t Break Up The Band“ beginnt als Antifolk-Tirade, gerät dann aber zu einem mitreißenden Psych-Rock-Song, der nicht nur mit brillanten Refrains überrascht, sondern obendrein mit Bläsersätzen, wie man sie aus 70er-Jahre-Rock-Opern kennt.


Der Selbstfindungs-Track „This So Called Life“ bietet Jangle-Gitarren und College-Rock-Feeling.
Das an ALANIS MORISSETTE erinnernde „Shifting“ enthält nicht nur eine exaltierte Saxophon-Einlage, sondern auch ein gestaffeltes Gesangsarrangement, an dem sich so mancher Produzent wohl die Zähne ausgebissen hätte.
Mit dem Song „Alright For Right Now“ zeigt sie den etablierten Musikerinnen aus der Indie-Pop-Schiene, was eine Harke ist und bringt in diesem Song mehr musikalische Ideen, Harmonien und Zutaten unter als manche der besagte Kolleginnen auf einer ganzen LP zusammentragen würden. So wird er zu einer Art Hymne an das Leben mit der Aufforderung, den gegenwärtigen Weltzustand nicht zu bejammern, sondern zu akzeptieren und nach dem sprichwörtlichen halbvollen Glas zu suchen.


Der letzte Track des Albums (und so ziemlich die einzige balladeske Nummer) „I’m Not Leaving This Time“ ist so gesehen ein musikalisches Resümee: Nachdem GGWENDOLYN ja bereits einige Projekte in ihrem Leben angefangen, aber nicht wirklich zu Ende gebracht hat, verspricht sie uns, dass sie es mit diesem Projekt wohl ernst nimmt und nicht wieder verschwinden wird.
Nun ja: Wie sollte sie ja auch sonst zum Superstar werden können?


Wie bereits erwähnt, entstand das Album „Superstar Syndrome“ in einer recht kurzen Zeit – und kann dabei mit einer produktionstechnischen Grandezza überzeugen, die verrät, dass GGWENDOLYN und ihr Partner in Crime ELIJAH WELLS dieses Projekt sehr gründlich vorbereitet haben mussten.
Superstar Syndrome“ ist ein Debüt mit solider musikalischer Basis, auf der die Erfahrungen, die GGWENDOLYN im Rahmen ihrer Laufbahn als Songwriterin, Performerin und Produzentin sammelte, auf wirklich eindrucksvolle Weise in Form großartiger Songs zusammengeführt werden.


FAZIT: Auch wenn es bei „Superstar Syndrome“ letztlich 'nur' um ein – wenngleich mächtig rockendes - Indie-Pop-Album gehen mag, ist es jedoch eins mit diesem gewissen Extra, das Zweifler leicht überzeugen wird und mit dem sich GGWENDOLYN auf ihrem Weg zum Superstar sogar von der Konkurrenz absetzen könnte.

Ullrich Maurer (Info) (Review 36x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Superstar Syndrome
  • Normal Ave
  • Crisscross Way
  • Don't Break Up The Band
  • Jock My Style
  • This So Called Life
  • Shifting
  • Tehran
  • Little Louder
  • Alright For Right Now
  • I'm Not Leaving This Time

Besetzung:

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