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Lennie Rayen: Entertain The Space (Review)

Artist:

Lennie Rayen

Lennie Rayen: Entertain The Space
Album:

Entertain The Space

Medium: Download
Stil:

Singer/Songwriter, Indie-Pop

Label: Independent
Spieldauer: 34:42
Erschienen: 29.05.2026
Website: [Link]

Die kanadische Songwriterin LENNIE RAYEN kommt aus der Kleinstadt North Bay in der Provinz Ontario. Das wird wohl ein Grund dafür sein, dass sie sich ihren Traum, Musikerin zu werden, um so in die große weite Welt ziehen zu können, erst nach einigem Zögern erfüllte, obwohl sie aus ihrem Elternhaus keine Unterstützung in dieser Hinsicht erfuhr.

Nachdem sie 2021 begann, erste Songs wie ihre Singles „Me & You“ und „Like You Do“ zu veröffentlichen und den Rahmen für das absteckte, was sie nun auch auf ihrem Debütalbum in Sachen Indie-Pop zu bieten hat.


Hierfür tat sie sich mit ihrem amerikanischen Kollegen CLEOEMO zusammen, der ihr half, den teils noch folkigen Sound ihrer zuvor veröffentlichen Songs und das Dreampop-Setting ihrer EP „Believe That It’s Blue“ produktionstechnisch auf ein raueres, rockigeres Level zu hieven – und das obwohl sie mit diesen früheren Veröffentlichung ihren Vorbildern LEONARD COHEN und LANA DEL REY sowohl lyrisch wie musikalisch Tribut zu zollen suchte.


Sagen wir es mal so: LENNIE RAYEN braucht heute eigentlich niemanden mehr zu referenzieren, denn die 10 Tracks des Debütalbums zeigen eine Songwriterin mit eigenem Stil und sicherem Gespür für das, was jeweils musikalisch Sinn macht und was nicht. Das ist durchaus notwendig, denn die junge Dame verfügt über keine klassische Ausbildung – spielt aber die Instrumente auf ihrer LP selbst. Da fällt es nicht immer leicht, den Überblick behalten und ein gutes Ohr sollte man ebenfalls haben. Rayen vertritt klar die Auffassung, dass sie vermutlich jeden Akkord, der auf „Entertain The Space“ zu hören ist, selbst erfunden hat. So klingen die Gesangsharmonien und Akkordwechsel wirklich angenehm unprätentiös; auf jeden Fall aber anders als jene ihrer amerikanischen Kolleginnen, die sich einem ähnlichen Setting verschrieben und ebenfalls in Sachen Power-Pop unterwegs sind.


LENNIE RAYEN schreibt allerdings keine Pop-Songs, denen dann ein paar Rock-Riffs aufgedrückt werden – sondern welche, die bereits als Rock-Songs angelegt sind und und dann von Produzent CLEOEMO behutsam, aber bestimmt, in eine Soft-Grunge-Richtung geführt werden; gelegentlich getoppt von einem extrem in den Vordergrund produzierten Gitarrensolo („Snake Song“), einem druckvollen Chorus („Give It Up“) einer hymnischen Bridge („I Know What I Want“) oder einem bedrohlichen Wall-Of-Sound-Setting („Lean In“). Auch Keyboards bilden einen wichtigen Bestandteil des Sound-Designs.


Die Folk-Sounds der Anfangstage muss man in den neuen Songs suchen – und wird sie vermutlich kaum finden, denn akustische Gitarren verwendet die Musikerin selbst in dem lyrischen Whisper-Lullaby „Time Like It’s Wind“ nicht mehr. Stattdessen setzt sie in Sachen Rhythmusarbeit auf cleane elektrische Gitarren- und verzerrte Overdrive-Sounds, wenn es in die rockige Richtung geht.

In den Songs erzählt Rayen viel von ihrer Sicht der Dinge, auf die man nur im stillen Kämmerlein kommen kann, und die sie dann mit der Welt teilen möchte – vielleicht noch unterstützt von ihrer Katze Huey, deren Miauen sie in ihren Schlüsselsong „I Know What I Want“ einbaute. Der Song erzählt die Geschichte ihrer existenziellen, hingebungsvollen Reise zur Musik – einer Reise übrigens, von der es keine Rückkehr gibt, denn LENNIE RAYEN ist längst voll und ganz Musikerin.

Andere Songs wie „What Now“ oder „Lean in“ beschäftigen sich mit zwischenmenschlichen Beziehungen und deren Mängeln, Suchtproblemen und deren Auswirkungen auf die Umwelt („Blue Pill“), Existenzängsten und dem Loslassen („Snake Song“) und oft genug macht sie sich in Songs wie „Right To Me“ oder „I Know What I Want“ Gedanken über die Endlichkeit der Dinge – ganz nach dem Motto: 'Was Du heute kannst besorgen, das besorge auch heute, denn morgen könnte alles zu Ende sein.'


Freilich tut sie das nicht mit Wut im Bauch, erhobenen Zeigefinger oder larmoyanter Schwermut, sondern mit der stoischen Gelassenheit einer genau beobachtenden Realistin. Auch musikalisch macht sich das bemerkbar; denn obwohl das Material eben rau und druckvoll in Szene gesetzt wird, gerät LENNIE RAYEN als Performerin nie in fiebrige Ekstase, sondern setzt eher auf emotionale Abgeklärtheit und hypnotische Dynamik, was gut funktioniert.


LENNIE RAYEN schreibt ihre Songs im heimatlichen Kanada, wo sie das Material auch aufnimmt, bevor sie es zu CLEOEMO in die USA schickt, wo das Ganze produziert, gemixt und gemastered wird. Diese Aufgabenteilung führt zu einem Sound-Design und Klangbild, das man eher von deutschen Kolleginnen wie z.B. BLUSH ALWAYS, PHILINE SONNY oder THALIA kennt, was damit zu tun, dass hier wie da der Kontrast zwischen den rockig-poppigen Sounds der Produktion und dem mädchenhaft-authentischen Gesang in einem charmanten Verhältnis steht und intuitive Harmoniefolgen das Abdriften in klassische Rock-Klischees verhindern. Wie die bereits Genannten macht LENNIE RAYEN deutlich, dass man sich in einem Rock-Setting auch ohne Vokalakrobatik und Rock-Röhre Gehör verschaffen kann.


FAZIT: Mit beeindruckender songwriterischen Souveränität liefert die kanadische Songwriterin LENNIE RAYEN ein Debüt-Album ab, das Maßstäbe in Sachen Indie-Pop setzen könnte – wenn es denn die Aufmerksamkeit bekäme, die es verdiente; denn über ein großes Budget verfügt die Künstlerin nicht und veröffentlicht „Entertain The Space“ deshalb nur digital im Eigenvertrieb über die üblichen Streaming-Portale. Freilich: Als visuell interessierte bildende Künstlerin veröffentlichte LENNIE RAYEN bereits eine ganze Reihe selbst produzierter Videos, die ihren Weg als Musikerin von den Anfängen bis zu diesem Album entsprechend nachzeichnen.

Ullrich Maurer (Info) (Review 116x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Blue Pill
  • Give It Up
  • I Know What I Want
  • Lean In
  • Right To Me
  • Show Me Your Feelings
  • Snake Song
  • Time Like It's The Wind
  • What Now
  • You Like It

Besetzung:

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