Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

Lazuli: Etre Et Ne Plus Etre (Review)

Artist:

Lazuli

Lazuli: Etre Et Ne Plus Etre
Album:

Etre Et Ne Plus Etre

Medium: CD/Download/Do-LP/Media-Book
Stil:

Progressive- und Art-Rock, Singer/Songwriter, Folk

Label: L'Abeille Rode/Just For Kicks
Spieldauer: 60:49
Erschienen: 06.02.2026
Website: [Link]

LAZULI sind längst zur Institution des außergewöhnlichen Progressive- und Art-Rock mit einem einzigartigen Instrument (der Léode) und grundsätzlich bühnenreifen Konzepten geworden, in deren gefühlvoller, oft etwas melodramatischer Musik sich weltmusikalische Einflüsse mit hymnischen, poetischen und sehr harmonischen sowie verträumten bis hin zu mystischen sowie folkloristischen Spielweisen vereinen. Zudem wohnt ihnen die Eigenschaft inne, den Hörer von der ersten Minute an zu berühren.


Dieses Mal begeben sich die Franzosen sogar auf Shakespearsche Spuren, indem sie sich mit der Hamlet-Lebenssinnfrage „Sein oder nicht sein?“ auf „Etre Et Ne Plus Etre“ auseinandersetzen und diese in die Gegenwart übertragen. In diesem Falle geht es wohl um das Sein in der realen oder dem Sich-Verlieren in einer künstlichen (digitalen) Welt, in welcher die Persönlichkeit langsam und immer sicherer schmilzt wie die kindliche, aus Eis gefertigte Büste auf dem Album-Cover. Eine andere Art von Ikarus, bei dem die Flügel aus Wachs schmolzen, als er der Sonne zu nahe kam, so schmilzt das Persönliche, wenn es zu intensiv im Künstlichen und Digitalen abstürzt. Wenn das reale Sein langsam, aber sicher zum fremdgesteuerten 'Nicht-mehr-sein' übergeht. Noch dazu gehört auch zu diesem Album erneut ein faszinierend gestaltetes Hardcover-Digibook im CD-Format, 38 Seiten stark mit allen französischen Texten sowie der ebenfalls in französischer Sprache verfassten Hintergrundgeschichte und einem jeweils ganzseitigen, zu jedem Text passenden Bild.


Etre Et Ne Plus Etre“ wandelt vom Titel her auf den Spuren Hamlets und formuliert dessen lebensbestimmende Frage übersetzt in „Sein und nicht mehr sein“ um. Und genau aus diesem Grund scheint dieses Mal ganz besonders Claude Leonetti mit seinem einzigartigen Instrument, der Léode, immer wieder in den Mittelpunkt des Albums zu rücken. Denn die Léode ist ein einzigartiges Instrument mit vollmoduliertem Klang (weist einige Ähnlichkeit mit dem Chapman Stick auf, der von TONY LEVIN besonders gern gespielt wird) und wurde tatsächlich aus der unmittelbaren Not heraus von Claude Leonetti erfunden.


Darum hier die kurze Geschichte, wie es dazu kam: Nach einem Motorradunfall, bei dem Claude Leonetti seinen linken Arm verlor, weigerte sich der damals gerade 17-jährige Gitarrist, sich mit seinem Schicksal abzufinden. Nach einer einschneidenden Nacht und aus einem Traum heraus änderte er seinen Lebensweg. Er entwickelte die Idee zu einem taktilen Instrument, einer Art elektronischer Lap-Steel-Gitarre die er selber so beschreibt: „Mein Instrument ist eine ungewöhnliche Kombination aus Gitarre, Synthesizer, Melodiesäge, Ondes Martenot … und einem Stück Holz. Ich bin der beste Léode-Spieler der Welt ... Ich weiß, ich bin auch der einzige!“

Es ist tatsächlich unfassbar, welche Klangvielfalt Claude Leonetti an diesem Instrument hervorzaubert, das in Kombination mit dem gefühlvollen Gesang seines Bruders Dominique oftmals betörend und hypnotisch wirkt.


So darf sich der Hörer über eine Stunde lang genau in diesen wortwörtlich einzigartigen symphonischen bis hin zu cineastischen Prog-Klangwelten entführen und fallen lassen, in denen zusätzlich viele akustische Instrument, wie Marimba, Vibraphon und Hörner, auftauchen.

Manchmal entsteht hierbei der Eindruck, dass LAZULI längst zum Morricone des Prog geworden sind und diesen filmmusikalischen Spannungsbogen bis zur Perfektion ausfüllen.
Von der akustischen, hymnischen Ballade („L'instant“ und „Chaque Jour Que Soleil Lait“ oder das Vier-Jahreszeiten-Stück „Les 4 Raisons“) bis zum symphonischen Epos („L'eau Qui Dort“ und „Au Bord Du Précipice“) haben LAZULI auf „Etre Et Ne Plus Etre“ alles zu bieten – inklusive beispielsweise einem E-Gitarren-Solo auf „L'Homme Sur“ (Es ist nicht das einzige Solo dieser Art!), das ein Mr. Gilmour auch nicht besser hinbekommen hätte. Und immer wieder führt einen die schwer beeindruckende, charismatische Stimme von Dominique Leonetti durch die Songs, die, selbst wenn man der französischen Sprache nicht mächtig ist, durch ihre unterschiedlich farbigen Intonationen eine ganz eigene, die Phantasie des Hörers anregende, Geschichte erzählt.


FAZIT: Die französischen Prog-Welt(musik)-Geister LAZULI entwickeln (oder haben sich schon von Album zu Album bis hin zu diesem zwölften entwickelt) eine extrem eigenständige Form des progressiven Art-Rocks, der unvergleichbar, aber sofort wiedererkennbar ist. In ihrer Musik scheint der Geist eines PETER GABRIEL durchzuschimmern, der durch akustische wie symphonische Welten schwebt und dabei oft melodramatische Geschichten offenbart, die sich in einem filmisch anmutenden Breitwand-Epos entfalten. Auf Hamlets Spuren erzählt „Etre Et Ne Plus Etre“ (Sein und nicht mehr sein) vom Kampf der modernen Welten – der realen gegen die künstliche und was dabei dem Menschen, der sich dazwischen bewegt, abverlangt wird. Nicht nur die Musik fasziniert hierbei, auch die Gestaltung des Albums im Hardcover-Digibook im CD-Format mit 38 Seiten und allen französischen Texten sowie der ebenfalls in französischer Sprache verfassten Hintergrundgeschichte und einem jeweils ganzseitigen, zu jedem Text passenden Bild. Es gibt wohl kaum eine Band, die solches Album noch toppen kann – außer LAZULI selbst!


Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 33x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Wertung: 14 von 15 Punkten [?]
14 Punkte
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • Etre Et Ne Plus Etre
  • Chaque Jour Que Soleil Lait
  • Sourire
  • Matière Première
  • L'eau Qui Dort
  • Une Chanson Cherokee
  • Quel Dommage
  • L'instant
  • L'Homme Sur
  • Mon Body Se Meurt
  • Les 4 Raisons
  • Au Bord Du Précipice

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Was legt ein Huhn?

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!