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Kabasse: About Sitting On Fences (Review)

Artist:

Kabasse

Kabasse: About Sitting On Fences
Album:

About Sitting On Fences

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Contemporary Jazz, Progressive- und Art-Rock, Fusion

Label: Kapitän Platte
Spieldauer: 40:43
Erschienen: 13.02.2026
Website: [Link]

„Höre, träume, erkenne dich wieder in diesen Sounds. Wo immer diese auch enden – auf jeden Fall befinden sie sich auf der richtigen Seite des Zaunes.“ (Auszug aus dem Begleittext zu „About Sitting On Fences“)

Ein Blick weit zurück in die Vergangenheit. Damals, als einem das Leben nicht von digitalen Medien bestimmt (und zerstört) wurde, man sich mehr auf die natürlichen Schönheiten konzentrierte und das Wetter draußen vor der Tür – weil man sich ständig im Freien bewegte – viel, viel wichtiger erschien, als irgendwelche Klicks und Likes innerhalb digitaler Scheinwelten wie heutzutage. Ach ja... (Setzen wir den Satz hier besser nicht fort, das könnte ja 'Dislikes' bedeuten...)

Damals saß man tatsächlich – wie die Vögel oder Pippi Langstrumpf – oft auf dem Gartenzaun, mitunter gar im Baumhaus, oder kletterte einfach so auf Bäume (Ohne sich stundenlang Gedanken über die damit verbundenen Gefahren, die irgendeine Mutti in ihrem Lastenrad ängstlich herunterbetete, zu machen!), um die Welt um sich herum mit natürlichem Blick, all ihren Klängen und Gerüchen zu genießen.
Oh ja, wer auf dem Gartenzaun saß, der genoss das lebendige Drumherum um sich: flatternde Vögel, den Wind, krabbelnde oder fliegende Tiere, winzige Insekten, das unendlich erscheinende Grün in all seinen Farbschattierungen.
Außerdem ging man erst ins Haus, wenn in der Ferne „Heavy Cloud(s)“, wohl angetrieben durch eine SOFT MACHINE, den Himmel immer mehr verfinsterten.


Welch schöne Erinnerungen – und genau die werden mit „About Sitting On Fences“ von KABASSE und ihrer bunten Musik-Mischung aus Contemporary Jazz und progressive Rock-Anklängen sowie spannende und strukturierte Kompositionen, die mitunter von freien Improvisationen regelrecht überrannt werden, wieder wach.
Man hört sofort, dass der Band-Kopf, der Münchner Keyboarder Sigmund Perner, aus dem Progressive Rock kommt – und dort mit CARPET sein herrlich-progressives Unwesen treibt, das vor zwei Jahren erst mit „Collision“ ein großartiges Album raushaute. Und bei so viel Natürlichkeit entführen uns KABASSE sogar in einen schaurigen Wald, der einen anfangs an 'Hänsel und Gretel' erinnert und viele andere Märchen unserer Kindheit mit bösen Hexen und einem mitunter brutalen Happy End, das verbrennend in einem Backofen enden konnte. Das kann man doch heutzutage seinen Kindern kaum zumuten, auch weil die Hexe eben weiblichen Geschlechts ist - aber bei KABASSE musizieren eben doch nur Männer, wohl alles kleine Hexeriche in der immer breiter werdenden, männerhassenden digitalen Blase, die so gar nicht mehr den kunterbunten Seifenblasen ähnelt, die wir damals noch menschenliebend von unserem Gartenzaun in die weite Welt geblasen haben, bis sie irgendwo platzten.


Viel 70er-Jahre-Flair verbreitet hierbei neben den Bläsern ganz besonders der Keyboarder mit Hammond Orgel, Fender Rhodes und Hohner Clavinet DB. Eine Tatsache, die sicher jeden Prog-Head speziell erfreuen wird, wobei Trompete, Klarinette, Saxophone, Hörner und Posaune für ein gehöriges Jazz-Feeling sorgen.

Aber es geht auch durchaus eingängig und recht melodiös zur Sache, wenn das kürzeste Stück „Encore“ sein spezielles Eigenleben entwickelt und deshalb eine spezielle Anmerkung erhält. Wer hierbei ganz genau hinhört wird sogar ein paar jazzige Anleihen bei STINGs „English Man In New York“ entdecken.


„In The Woods“ dagegen lässt anfangs dem Free Jazz freien Lauf, um sich dann zu einer harmonischen, melodiösen wie verträumten Bläser-Ballade im allerbesten Stereo-Klang (die Bläser werden scharf voneinander abgetrennt und dann immer wieder zentral miteinander vereint) zu entfalten, die nach ganz großen Gefühlen (und ganz großem Können) klingt. Gefühle, die bereits zu Beginn dieser Review formuliert worden und die sehr gut zu dem aussagekräftigen und emotionalen Text von Ulrich Habersetzer im Inneren des CD-Mini-LP-Gatefoldcovers passen, der sich um die Leidenschaften des Bandkopfs Sigmund Perner dreht, welcher aus der Literatur über die Kunst bis hin zu den frühen PINK FLOYD seine ganz eigenen Inspirationen ausschöpft und diese in einem Album wie „About Sitting On Fences“ verwirklicht. Womit sich im Grunde der Kreis zum Albumtitel und den Gefühlen dahinter schließt, das bes(ch)wingt mit „Manything Goes“ zu Ende geht.


FAZIT: Setzen wir uns doch einfach mal wieder – so wie früher in den Siebzigerjahren – auf den Gartenzaun und genießen, was um uns herum alles auf völlig natürliche Art und Weise passiert. Solch ein Gedanke oder Wunsch wird wohl der Auslöser für dieses progressive wie wunderschöne Contemporary-Jazz-Album „About Sitting On Fences“ der deutschen Prog-Jazz-Rocker KABASSE gewesen sein, das seine ganze Aura speziell über Retro-Keyboards und Bläser verbreitet, die einen in ganz unterschiedliche Gefilde von frei improvisiert bis voller Harmonie entführen. Ein echter Genuss, der den Ossi vielleicht sogar an die außergewöhnlich beliebte DEFA-Reihe (der Jahre 1982 – 1985) „Geschichten übern Gartenzaun“ erinnert. Waren das noch Zeiten! KABASSE jedenfalls klingen genau danach!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 33x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Beauty Of The Brain
  • In The Woods
  • Heavy Cloud
  • Encore
  • Manything Goes

Besetzung:

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