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Joe Bel: Family Tree (Review)

Artist:

Joe Bel

Joe Bel: Family Tree
Album:

Family Tree

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Pop, Folk, Indie, Singer/Songwriter

Label: La Ruche
Spieldauer: 43:54
Erschienen: 22.03.2024
Website: [Link]

Wenn einen bereits dieses schlichte, aber umso schönere Cover sofort dazu einlädt, sich in JOE BEL und ihren „Family Tree“ zu verlieben, dann muss sich das mit der Musik dahinter doch sicher ganz genauso verhalten. Hoffentlich...

In Frankreich jedenfalls ist JOE BEL eine echt angesagte Größe. Omnipräsent in Film, Fernsehen, Radio und Modewelt. Und schon diese Tatsache lässt echte Skepsis aufkommen.
Haben wir es hier etwa mit einer Art 'zweiten Präsidentengattin' der Marke CARLA BRUNI zu tun?
Ganz so abwegig ist dieser Vergleich tatsächlich nicht – aber schließlich ist die Bruni ja eine gute Musikerin und Sängerin. Und die Bel ist es auch. Bei Bruni jedenfalls ließ ihre musikalische Begabung nach der Ehelichung des französischen Präsidentenzwergs Sarkozy deutlich nach. Das ist zum Glück bei der familiär so innig gebundenen Musikerin und zweifachen Mutter, die noch dazu mit einem Musiker verheiratet ist, nicht anzunehmen!


Immerhin überraschte die leidenschaftliche Musikerin bereits mit dem ansehnlichen Debüt-Album „Dreams“, zu dem Kollege Schiffmann feststellte, dass es „auf dem schmalen Grat zwischen erwachsenem Art Pop und Mainstream-Zeitgeist [wandelt], ohne nur einmal ins Leere zu treten“. Gebongt!
Ganz Ähnliches gilt ebenso für „Family Tree“, auch wenn es diesmal einen dummen Fehler gibt, nämlich den gut einminütigen Sprechtext „Ladino“, der die Art-Pop-Stimmung stört, aber aus familiärer Sicht doch sehr wichtig scheint. Dabei baute die sich „Family Tree“ doch schon sprachlich bestens auf, denn die Bel singt schließlich ihre Songs in den musikalischsten Sprachen der Welt: Französisch und Englisch. Ein besonders schönes Beispiel eines französisch gesungenen Songs ist hierbei die herzzerreißende, sehr einfach (größtenteils mit akustischer Gitarre) instrumentierte Ballade „Ailleurs“.


Oder, um es getreu dem Album-Titel folgend zu sagen: Die meisten Songs klingen tatsächlich ungemein familiär – der Familien-Baum schlägt die schönsten Blätter und Blüten.
Zudem kommt noch eine dritte Sprache im Rahmen des Familien-Stammbaums ins Spiel. Nämlich die ihres Großvaters, weswegen sie eben dieses bereits besagte unpassende „Ladino“ als gesprochenen Text auf dem Album unterbringt.

Das ganze Familiäre hat selbstverständlich innige Gründe. Denn als die Musikerin 2020 an ihrem Album zu schreiben begann, wurde sie gerade zum zweiten Mal Mutter, sodass sie genau unter diesem Eindruck – nach der Geburt ihres Kindes – gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Produzenten und Pianisten JULIEN JUSSEY in einem Studio in Lyon ihre 11 Songs aufnahm.
Allesamt strahlen sie ein warme Atmosphäre und viel Harmonie aus, scheuen sich aber nicht davor, besonders zum Ende hin immer mal ein wenig lauter und bombastischer auszubrechen. So werden sie mitunter genau zu dem „The Secret“, das auf dem Album besungen wird und tatsächlich eine gewisse BEATLES-Aura versprüht.


Wie eng die Familienbande geknüpft sind, spürt man nicht nur dem gesamten Album, sondern auch den dazu vorhandenen Videos an, in denen man öfter Bels beide Kinder (und deren inniges Verhältnis zueinander) zu sehen bekommt. Denn auch ihre erstes, der Sohn, spielt nicht nur eine große Rolle in den Videos und ihrem Leben, sondern auch in ihrer Karriere als Musikerin, die sie 2012 unmittelbar nach dessen Geburt begann. Damals stand sie alleine mit ihrer Akustik-Gitarre auf einer Bühne – heute kann sie bereit auf über 50 Millionen Streams zurückblicken. Na ja, da sollte einem solch eine schöne LP wie für „Family Tree“ doch deutlich mehr wert sein, als ein liebloser digitaler Stream...
...die Entscheidung liegt bei jedem selbst.
Im Falle des 2024er-Bel-Albums lohnt sich jedenfalls die Vinyl-Ausgabe und wird hiermit für alle Platten-Freunde und Musik-Nostalgiker wärmstens empfohlen.


FAZIT: Auf „Family Tree“ lässt sich die französische Musikerin JOE BEL, die während der Entstehungszeit diese Albums ihr zweites Kind zur Welt brachte, über familiäre Werte, aber auch kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede aus. Hierbei singt sie in englischer und französischer Sprache und spricht einmal sogar in der Sprache ihres Großvaters: Spanisch. Die insgesamt harmonisch ausgefallene LP bringt diese Stimmung sogar durch das orangefarbene Vinyl und das sehr gelungene Cover in Form eines Nachttisch-Bildes auf blauem Grund bestens zum Ausdruck, was wiederum auf die melancholischen Seiten dieses verträumten Albums hinweist, das man gerne auch mit seinen eigenen Kindern – egal welchen Alters – hören kann. Doch nicht nur für ein gemeinsames Familientreffen, sondern auch für die einsame Erinnerung an eine verflossene Liebe oder die schönen Stunden mit Freunden ist „Family Tree“ geeignet, wenn man nach einer passenden, emotional ergreifenden Musik dazu sucht.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 632x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (19:29):
  • Your Own Hands (4:12)
  • The Secret (2:37)
  • Talking (4:30)
  • The Trumpets (3:27)
  • 2 Weeks (4:43)
  • Seite B (24:25):
  • Montréal (3:56)
  • Ladino (1:03)
  • Morenika (3:47)
  • Lose A Friend (4:47)
  • Ailleurs (5:24)
  • Ropes (5:38)

Besetzung:

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