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DIO: The StuDIO Albums 1996 – 2004, Limited Edition Box Set (Review)

Artist:

DIO

DIO: The StuDIO Albums 1996 – 2004, Limited Edition Box Set
Album:

The StuDIO Albums 1996 – 2004, Limited Edition Box Set

Medium: 5-LP-Box/4-CD-Box
Stil:

Hard-, Classic- und Doom-Rock, Heavy Metal

Label: BMG
Spieldauer: 223:39
Erschienen: 22.09.2023
Website: [Link]

Ronny James DIO war (und ist auch nach seinem Tod im Jahr 2010) ein Urgestein der Hardrock- und (Black-)Metal-Ära, dessen Stimme als Erkennungsmerkmal von RAINBOW genauso wenig wegzudenken ist, wie in der späteren Phase von BLACK SABBATH, der es aber auch solistisch auf insgesamt 10 Alben brachte, die genau die harten und metallischen Traditionen seiner Bands, denen er als Sänger vorstand, überzeugend fortsetzte. Wer also DIO hört, der hört im Hinterkopf immer auch ein wenig RAINBOW und BLACK SABBATH.

DIOs Stimme verstummte dann – von einem fiesen Magenkrebs ausgelöscht – am 16. Mai 2010 für alle Zeiten, sodass uns sein Gesang nur noch auf Konserve erhalten blieb, wobei gerade die Vinyl-Liebhaber kaum auf ihre Kosten kamen, da seine Solo-Alben anfangs fast ausschließlich auf digitalen Tonträgern verewigt wurden. Allerdings war auch damit endlich durch die (völlig unerwartete) Renaissance des Vinyls Schluss – und nach und nach wurden seine Alben (mitunter sehr opulent im 3D-Cover gestaltet), wie beispielsweise „Holy Diver Live“ und „Evil Or Divine“, endlich auch auf LP's veröffentlicht.

Ein weiteres Highlight dieser Veröffentlichungen ist nun The StuDIO Albums 1996 – 2004, Limited Edition Box Set geworden, denn es umfasst die letzten vier Studio-Alben von DIO sowie eine superrare Single. Allesamt auf farbigem Vinyl (Jede LP andersfarbig!) und in sehr gutem Sound, sodass diese Alben, obwohl einige DIO-Fans noch immer behaupten, sie wären nicht besonders gut (Was zumindest in solchem Rundumschlag für den Kritiker in keiner Weise nachvollziehbar ist!), endgültig auch ihre Vinyl-Vollendung erhalten. Noch dazu vereint in einem Hardcover-Schuber mit Goldaufdruck, welche der hohen Qualität des Gesamteindrucks gerecht wird. Alle LP's sind natürlich mit dem entsprechenden Cover – diesmal aber in LP-Größe – ausgestattet worden, sodass man sich als Fan guten Hardrocks und Metals oder speziell von DIO über diese letzten vier Alben vor DIOs Tod mehr als freuen darf:

* Angry Machines (1996)
* Magica – Doppel-LP (2000)
* Killing The Dragon (2002)
* Master Of The Moon (2004)
und die 7“-Single „Electra“

DIO bleibt sich und seiner Mission, den Hardrock und Metal mit mystisch-geheimnisvollen Texten, die ähnlich finster und gruselig sind wie die Cover aller DIO-Alben, mit seiner großartigen Rock-Röhre auf die Welt loszulassen, absolut treu, selbst wenn es während der letzten, hier festgehaltenen Solo-Alben-Ära wohl ein wenig im Gebälk knarrte, da so einige Besetzungswechsel während dieser Zeit erfolgten (Nicht eins der vier Alben wurde in der gleichen Band-Besetzung eingespielt!), die im Grunde aber stilistisch kaum wehtaten. Die Band DIO lebt eben von der außergewöhnlichen Stimme des Frontmanns und den damit verbundenen Erinnerungen an RAINBOW und BLACK SABBATH, die er ja kurz zuvor (wegen Ozzys Rückkehr) verlassen hatte.

„Angry Machines“ ist beispielsweise sehr hart und finster, aber zugleich bei den vielen Soundeffekten auch modern ausgefallen, sodass man vielleicht sogar noch ein wenig den Ronnie-James-Dio-Frust nach seinem Sabbath-Abgang heraushört. Nimmt man sich Zeit für das recht beklemmende Album und verzichtet mal auf alle rund um es gestreuten Vorurteile, dann ist diese 1996er-Scheibe ein wahrhaft gelungenes Gesamtwerk, das sich samt seines dystopischen Text-Konzepts würdig in den Gesamtkatalog aller Alben einreiht, denen DIO seine Stimme verlieh. Und nicht umsonst äußerte unser ehemaliger Redakteur Lars Schuckar hierzu den Wunsch: „Es wäre wünschenswert, wenn […] der eine oder andere damals kurzfristig Ertaubte den Zugang zu dieser Perle findet“.

Vier Jahre später erfolgte 2000 „Magica“ und ist trauriger Ausdruck eines unvollendeten DIO-Werkes, denn eigentlich war es als eine sich fortsetzende Trilogie (mit wirklich sehr eigenartigen Intros und Zwischenspielen) geplant, die auf der besagten über 18 Minuten langen, auf der letzten Seite der Doppel-LP von DIO vorgelesenen gleichnamigen Geschichte basiert, aber durch den frühzeitigen Tod des Sängers kein abschließendes Ende mehr fand.
„Magica“ besticht insgesamt durch sehr viele hymnische Elemente und natürlich die futuristischen Einspielungen, die uns den Eindruck vermitteln, wir würden uns in einem Raumschiff befinden und auf unserem Flug jeder Menge Gefahren stellen müssen, um so vielleicht der Alien-Invasion zu entgehen. Die Story erzählt selber allerdings eine ganz andere Geschichte – und zwar die von Blessing, einer Unterwelt, in welche die bösen Mächte eindringen und die Führung übernehmen. Die letzte LP-Seite enthält dann, wie bereits erwähnt, die komplette Geschichte „The Magica Story“, innerhalb von 18 Minuten wirklich gut und hervorragend betont gelesen und mit ruhiger, hintergründiger Musik unterlegt, welche die jeweiligen Stimmungen innerhalb der Story verstärkend unterstützt. Manchmal entsteht allerdings beim Hören der Doppel-LP der Eindruck, dass die Geschichte hinter „Magica“ mehr in den Vordergrund rückt als die Musik, was aber auch daran liegen kann, dass eben die Story aus DIOs Sicht nicht zu Ende gebracht werden konnte. Grandios ist darum die blaue Single innerhalb der Box, denn auf der befindet sich mit „Electra II“ und „Electra III“ zusätzliches für die „Magica“-Fortsetzung angedachtes Musik-Material.

Nach all der etwas verschwurbelten (leider ziemlich religiös geprägten) Magie musste es natürlich wieder knallhart zur Sache gehen und der Drachentöter auf den Plan gerufen werden.
„Killing The Dragon“, definitiv eins der allerbesten DIO-Alben, das in die Top3 seiner Diskografie gehört, setzt uns sogar in seinen ganz besonderen Momenten in den LED ZEPPELIN Richtung 'Kashmir' („Rock & Roll“) und „Before The Fall“ rückt eine Orgel in den Vordergrund, dass jeder Purpleaner und Lord-Anbeter seine wahre Freude daran haben wird. Vielleicht liegt die Faszination dieses Albums auch ein wenig darin, dass es das einzige ist, an dem auch der WHITESNAKE- und THE DEAD DAISIES-Gitarrist Doug Aldrich intensiv mitwirkte, sodass man neben den besagten Referenzen tatsächlich mit ein wenig Phantasie auch die weiße Schlange durch seine Gehörgänge kriechen fühlt. Zudem ist das Album eine Kriegserklärung an die überbordende Technologie und ganz speziell die alles vereinnahmende Computer-Technik, wozu DIO weise vorausschauend feststellt, dass der Computer in der modernen Welt zu einer Art alles vereinnahmenden Gott (in dem Fall durch den Drachen symbolisiert) geworden ist: „Der Computer ist ein kleiner Gott mit metallischem Herzen. Höchste Zeit, dagegen zu rebellieren.“
Ein Meisterwerk – nicht nur aus DIO-Sicht!

Auf „Master Of The Moon“, dem zehnten und zugleich letzten Album der amerikanischen Metallisten DIO, kehrte Gitarrist Craig Goldy (leider) wieder zurück. Nachdem Goldy schon auf „Dream Evil“ (1987) und „Magica“ (2000 – in dieser Box enthaltene Doppel-LP plus Single-Beigabe) sehr aktiv mitgewirkt hatte, war er auf der ebenfalls in dieser Box enthaltenen 2002er-LP „Killling The Dragon“ hervorragend von Doug Aldrich ersetzt worden. Mit Aldrichs Abgang kam auch ein wenig die klassische Hardrock-Ausrichtung des Drachentöter-Albums abhanden. Highlight dieses insgesamt mittelmäßigen DIO-Albums, das den Musikkatalog und die Lebensleistung von Ronnie James Dio abschloss, war das epische, fast progressive „The Man Who Would Be King“, das die LP-B-Seite eröffnet. Auch in seinen Texten bleibt sich DIO mit intensiven Angriffen gegen die modernen Technologien und die dahinter lauernden Gefahren treu: „Manche Texte haben einen zynischen Aspekt. Und es gibt definitiv einen politischen Ton, der die Gefahren widerspiegelt, denen wir im modernen Leben fast tagtäglich ausgesetzt sind.“
Und selbst wenn dieser Abschluss nicht noch einmal der ganz große Wurf aus DIO-Sicht ist, so bleibt er doch eine ehrwürdige letzte Hinterlassenschaft, die vielleicht sogar unabsichtlich darauf hinwies, dass der (große) Meister im Mond bereits auf einen der besten Sänger des weltlichen Hardrock-Universums wartete.

Voller epischem Metal-Bombast und Melodramatik schleicht sich dann als ganz besondere, rare Beigabe die blau-vinylige 7“-Single „Electra“ mit in die opulente Box ein, die überraschenderweise nicht in 45er-, sondern genauso wie die anderen ebenfalls unterschiedlich farbigen, 180 Gramm schweren Vinyl-LP's, in 33er-Geschwindigkeit abgespielt werden muss.

Nicht die einzige Überraschung, für die ein DIO bis zu seinem Tode immer gut war. Leider sollte diese Single der letzte musikalische Hinweis dafür bleiben, dass DIO „Magica“ eigentlich zu einer Trilogie ausweiten wollte, an der er bereits arbeitete, aber die durch seinen Tod vor 13 Jahren keine Vollendung beschert wurde. Wie schade das ist, wird jedem, der sich diese insgesamt knapp 13 Minuten der Single anhört, schmerzhaft bewusst werden.

FAZIT: „The StuDIO Albums 1996 – 2004, Limited Edition Box Set“ ist die ultimative Fortsetzung und Vollendung der Vinyl-Auflagen (alle in unterschiedlicher Farbgebung mit bedruckten Innenhüllen und LP-Covern) zu allen 10 DIO-Alben, die im Falle der letzten vier Ausgaben vor seinem Tod – allesamt in dieser schweren Hardcover-Box vereint und um die ultrarare blaue 7“-Single „Electra II/III“ erweitert – zu den umstrittensten gehören, da zwar so einige Fans nicht sonderlich zufrieden mit den Alben waren, es aber trotzdem im Gros richtig guten Hardrock und Metal mit finsteren Texten zu hören gibt. Alles zusammengehalten von Ronnie James Dios beeindruckender, unvergleichlicher Stimme, die zu den besten des Rock-Business gehört. Und neben „Angry Machines“ (1996), „Magica“ (2000) und „Master Of The Moon“ (2004) befindet sich mit „Killing The Dragon“ (2002) ein viel zu lange nicht wirklich wahrgenommener Klassiker von DIO in dieser Box. Für alle DIO-Sammler und Vinyl-Leidenschaftler unverzichtbar.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 1795x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Tracklist:
  • = Angry Machines (1996) = (47:38):
  • Seite A (24:01):
  • Institutional Man (5:08)
  • Don't Tell The Kids (4:19)
  • Black (3:10)
  • Hunter Of The Heart (4:13)
  • Stay Out Of Mind (7:11)
  • Seite B (23:37):
  • Big Sister (5:35)
  • Double Monday (2:55)
  • Golden Rules (4:54)
  • Dying In America (4:38)
  • This Is Your Life (5:25)
  • = Magica (2000) = (72:04):
  • Seite A (16:10):
  • Discovery (0:54)
  • Magica Theme (1:16)
  • Lord Of The Last Day (4:04)
  • Fever Dreams (4:37)
  • Turn To Stone (5:19)
  • Seite B (17:26):
  • Feed My Head (5:39)
  • Eriel (7:25)
  • Challis (4:22)
  • Seite C (20:05):
  • As Long As It's Not About Love (6:28)
  • Losing My Insanity (5:04)
  • Otherworld (4:56)
  • Magica (Reprise) (1:53)
  • Lord Of The Last Day (Reprise) (1:44)
  • Seite D (18:23):
  • The Magica Story (18:23)
  • = Killing The Dragon (2002) = (44:57):
  • Seite A (22:51):
  • Killing The Dragon (4:25)
  • Along Comes A Spider (3:32)
  • Scream (5:02)
  • Better In The Dark (3:41)
  • Rock & Roll (6:11)
  • Seite B (22:06):
  • Push (4:08)
  • Guilty (4:25)
  • Throw Away Children (5:35)
  • Before The Fall (3:47)
  • Cold Feet (4:11)
  • = Master Of The Moon (2004) = (46:08):
  • Seite A (22:58):
  • One More For The Road (3:18)
  • Master Of The Moon (4:19)
  • The End Of The World (4:39)
  • Shivers (4:15)
  • The Eyes (6:27)
  • Seite B (23:10):
  • The Man Who Would Be King (4:58)
  • Living The Lie (4:25)
  • I Am (5:00)
  • Death By Love (4:21)
  • In Dreams (4:26)
  • = Electra – Single (2004) = (12:52):
  • Seite A (6:26):
  • Electra II
  • Seite B (6:26):
  • Electra III

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

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  • keine Interviews
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