Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

The Rubinoos: Live At Rockpalast 1978 (Review)

Artist:

The Rubinoos

The Rubinoos: Live At Rockpalast 1978
Album:

Live At Rockpalast 1978

Medium: CD+DVD
Stil:

Power Pop

Label: MIG music
Spieldauer: DVD+CD je 49:52
Erschienen: 26.09.2025
Website: [Link]

Direkt über den großen Teich aus dem sonnigen Kalifornien kamen die 1973 gegründeten THE RUBINOOS nach Deutschland angedüst, um es am 14. März 1978 im Hamburger Audimax im Rahmen von „Live At Rockpalast“ ordentlich auf amerikanisch krachen zu lassen. Doch dass dieser seltsame Gastspielauftritt in Hamburg zugleich ihr erster und letzter in Deutschland war, lässt nicht wirklich Gutes vermuten. Obwohl das jung-dynamische Quartett des 'Beserkley Records'-Labels, das sich unter dem Aspekt gegründet hatte, „um Spaß zu haben und einige geile Schallplatten zu produzieren“, bereits mit „I Think We're Alone Now“ (1976) ein relativ erfolgreiches Album am Start hatten, dem im Jahr des Rockpalast-Auftrittes „I Wanna Be Your Boyfriend“ (Was für ein gruseliger Titel, der nichts Gutes erwarten lässt!) folgte.


Vielleicht war Mitte 1978 aber auch ihre vom Pop geprägte Musik (ein echter Vorreiter für den New Wave) nicht ideal für den Rockpalast gemacht, denn der Sänger und Gitarrist Jon Rubin resümierte hierzu: „Hier ist eben nicht unbedingt ein Zentrum des Power Pop“, womit er Recht behalten sollte.

Weitere Erinnerungen aus Rubinos aktueller Sicht können in dem achtseitigen Booklet zu „Live At Rockpalast 1978“, zu dem Jon Rubin im April 2025 die Linernotes verfasste, nachgelesen werden. Erinnerungen also, die fast ein halbes Jahrhundert zurückliegen, wobei Rubin allerdings betont, dass trotz so einiger Durststrecken die RUBINOOS bis heute noch aktiv sind: „Almost 50 years later, THE RUBINOOS are still going concern – touring, recording and introucing our signature brand of pop to a whole new unsuspecting audience.“
Warum es gerade für diese Art von Musik noch heute ein überraschtes Publikum gibt – das kündigt sich im Grunde schon bei diesem Auftritt vom 14. März 1978 im Hamburger Audimax an, den sie mit der (schrecklichen) Erkenntnis „Rock'n'Roll Is Dead“ abschließen, wobei auch THE RUBINOOS ein wenig wie dessen Totengräber erscheinen, getreu dem Motto 'Long live Power-Pop'. Der Power Pop der RUBINOOS jedenfalls ist heute noch lebendig, so sehr er auch in die Jahre gekommen zu sein scheint.

Ein durchaus interessanter Konzert-Beginn ist der A-capella-Gesang von „Rockin' In The Jungle“ (inklusive mit der Stimme imitierter Dschungel-Geräusche), bei dem die vier Jungs, die sich bei ihren Ansagen später manchmal wie ein paar kleine Bubis benehmen, beweisen, wie gut sie bei Stimme sind. Das weckt Erwartungen, die dann allerdings nur ansatzweise gehalten werden.


Jedenfalls wecken THE RUBINOOS ein paar Erinnerungen an die RUBETTES (die sie qualitativ bei weitem nicht erreichen) und die BAY CITY ROLLERS (an die sie schon eher herankommen).
Aber auch die DEXYS MIDNIGHT RUNNERS, die übrigens im gleichen Jahr gegründet wurden, in dem dieses Konzert stattfand, spielen in diesem Umfeld eine wichtige Rolle. Nur dass die den Power Pop deutlich besser und erfolgreicher hinbekamen als die THE RUBINOOS.

Mit dem BEATLES-Cover „Please, Please Me“ zum Konzertende hin übernehmen sich die vier Jungs zwar auch etwas, aber trotzdem kommt der Song beim Publikum noch mit am besten an. So ist es gut, dass sie gleich die Gitarren-Nummer „Walk Don't Run“ der VENTURES, die aus einem ähnlichen Holz geschnitzt ist, hinterherschieben. Hier entfachen sie tatsächlich ein gewisses Rockpalast-Feuer, das ansonsten nur müde vor sich hinschwelt.


Die vier Jungs, die auch vom Outfit her ein wenig wie frisch gecastet für die nächste große Boygroup aussehen und noch dazu häufig Probleme mit ihren Gitarren haben, hätten deutlich besser in Ilja Richters Disco gepasst, aber nicht auf die Bühne des Rockpalasts.

Das Ende ist mit der extrem albernen Verkleidung des Gitarristen und seiner glitzernden 'Rock'-Brille nur noch Slapstick. Obwohl der dargebotene Song „Rock'n'Roll Is Dead“ sogar der rockigste ist, bei dem sich Gitarrist Tommy Dunbar sogar an ein paar Hendrix-Riffs versucht. Letzten Endes aber ist genau dieser Song, der das Konzert der RUBINOOS abschließt, für die Band selber Programm.


FAZIT: Die falsche Band am falschen Ort bei der falschen Konzert-Reihe. Der amerikanische Mittsiebziger-Power-Pop der RUBINOOS, die mehr wie eine Casting-Boy- als eine Rock-Band daherkommt – und zu oft auch so klingt – schienen mit ihrem auf 'Heute haben wir aber riesigen Spaß'-getrimmten Konzert am 14. März 1978 im Hamburger Audimax nicht gerade eine Idealbesetzung für die Rockpalast-Bühne zu sein. Daher stellt ihr singender, ganz in Weiß mit weit geöffnetem Hemd gekleideter Gitarrero in den Linernotes des achtseitigen Booklets wohl auch fest: „Diese Einblicke in die Anfänge der Gruppe unter extremen Umständen fängt den Geist und die Albernheit ein, die uns von Anfang an geprägt haben und bis heute prägen.“ Daher zählen THE RUBINOOS in Deutschland auch zurecht zur Kategorie: 'Längst vergessen...'. In diesem Sinne ist dann der aktuell von MIG music veröffentlichte Rockpalast-Doppeldecker aus DVD und CD vom Konzert unter dem Titel „Live At Rockpalast 1978“ aus Raritäten- und Exoten-Sicht schon wieder richtig spannend.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 309x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • DVD (49:52):
  • Rockin' In The Jungle
  • Tonight
  • Peek-A-Boo
  • Falling In Love
  • Hard To Get
  • Hey Royse
  • Wouldn't It Be Nice
  • Red Light
  • Promise Me
  • Ronnie
  • Make It Easy
  • Please, Please Me
  • Walk Don't Run
  • I Think We're Alone Now
  • Rock'n'Roll Is Dead
  • CD (49:52):
  • Rockin' In The Jungle
  • Tonight
  • Peek-A-Boo
  • Falling In Love
  • Hard To Get
  • Hey Royse
  • Wouldn't It Be Nice
  • Red Light
  • Promise Me
  • Ronnie
  • Make It Easy
  • Please, Please Me
  • Walk Don't Run
  • I Think We're Alone Now
  • Rock'n'Roll Is Dead

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Schreibe das folgende Wort rückwärts: Regal

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!