Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

Lost In Kyiv: We're All Going To Be Fine (Review)

Artist:

Lost In Kyiv

Lost In Kyiv: We're All Going To Be Fine
Album:

We're All Going To Be Fine

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Post-Rock und Post-Metal, Psyche und Prog

Label: Pelagic Records
Spieldauer: 40:59
Erschienen: 19.06.2026
Website: [Link]

„'WE’RE ALL GOING TO BE FINE' beschäftigt sich mit dem Spannungsfeld zwischen Hoffnung und innerem Zusammenbruch und damit, wie das moderne Leben uns voneinander völlig entfremden kann. Die Songs basieren auf persönlichen Erfahrungen, dem gesellschaftlichem Druck und der Vorstellung, dass wir oft unser eigener schlimmster Feind sind.“ (LOST IN KYIV)

Nun sind aus den französischen Postrockern LOST IN KIEV wohl endgültig die wortverspielten LOST IN KYIV geworden – doch getreu dem Raider-Twix-Spruch ändert sich aus bandtechnischer Sicht vorerst nix – oder nicht wirklich viel. In musikalischer Sicht gibt’s allerdings doch so einiges zu entdecken. Und zwar, dass LOST IN KYIV nicht von ihren gewohnten filmischen wie epischen Post-Rock- und Post-Metal-Trademarks abweichen, dafür aber noch mehr auf atmosphärische Sounds setzen und im Falle von „Eclipse“ sogar mit einem ganzen Bläser-Ensemble daherkommen, nachdem sie ihr Album mit einem extrem düsteren „Enlightened“ samt bedrückend gesprochenem Text eingeleitet haben: „I know you're trying to draw me away from the Light / Suspended from you like a helpless marionette...“


Nicht umsonst stellte Kollege Maier nachdenklich in seinem Fazit zum Vorgänger „Rupture“ fest: „Es wird spannend sein, in welche Richtung sich LOST IN KIEV nach 'Rupture' weiterorientieren. Denn dieses Album wirkt trotz seiner dichten Konsistenz eher wie ein 'Gateway'-Album, das den nächsten Schritt in eine neue (oder zumindest etwas andere) Richtung vorbereitet. Trotzdem ist ihr Post-Rock sehr fantasievoll und cineastisch. Bleibt abzuwarten, was der nächste Akt dieser Band bringt.“


Hier gibt’s nun mit „We're All Going To Be Fine“ eine eindeutige Antwort darauf, die sich im Grunde schon in dem leicht veränderten Bandnamen des Pariser Quartetts manifestiert. Deshalb liefern diese Antwort LOST IN KYIV höchstpersönlich selber ab: „Wir betrachten dieses Album fast als die erste Platte einer neuen Version der Band, weswegen wir uns dafür entschieden haben, ab sofort den Namen LOST IN KYIV zu verwenden. Wir wollen die Vergangenheit nicht auslöschen, aber es fühlt sich wirklich wie eine neue Richtung an. Künstlerisch gesehen, denken wir, dass dieses Album eine neuen Richtung markiert, die lauter und metalorientierter als das ist, was wir vorher gemacht haben.“


Doch es sind nicht nur die metallischeren Momente, auch der wirklich beeindruckende weibliche Gesang auf „Becoming“ oder die gesprochenen Passagen begeistern, während im Hintergrund der Regen prasselt. All das passt sich bestens in das Gesamtbild des Albums ein.
Viele akustische Instrumente tauchen ebenso auf und vereinen sich mit elektronischen Texturen, die mal ein wildes, dann wieder ein finsteres oder postrockig explodierendes Klangbild verbreiten.


Thematisch begibt sich die Band ebenfalls in andere Gefilde – hier geht’s nunmehr um die Psyche und natürlich die dementsprechenden Störungen, die sich in dem zerbrechlichen Bereich zwischen Hoffnung und kompletten Irrsinn entfalten, wobei man nicht wirklich bemerkt, in welche Richtung der Psyche-Geigerzähler wirklich ausschlägt und welche Folgen dies hat.
Auch hierzu bezieht die Pariser Band klar Stellung und verweist auf die anregenden Hintergründe, welche sich maßgeblich auf die Entstehung des Albums und die Neuausrichtung der Band auswirkten: „Uns haben die Werke von Carl Gustav Jung (dessen Stimme am Ende des Albums zu hören ist) inspiriert, insbesondere seine Ideen zur Erforschung der menschlichen Psyche, sowie Themen aus Filmen wie 'Eternal Sunshine of the Spotless Mind' oder 'Melancholia'. Wir wollten schon immer Musik zu starken Themen schreiben, und zum ersten Mal haben wir uns entschieden, den Fokus mehr auf das Innere zu legen als auf früheren Alben. Bei unseren letzten vier Alben, vielleicht mit Ausnahme von „Nuit Noire“, ging es eher um breitere und allgemeinere Themen. Dieses Mal wollten wir die Zerbrechlichkeit der psychischen Gesundheit und der menschlichen Psyche sowie die Beziehung, die wir zu uns selbst haben, erforschen.“

Genau diese Spannungen und Zerrissenheit übertragen sich detailliert auch auf diese zwischen Genie und Wahnsinn tendierende Musik hinter „We're All Going To Be Fine“.


FAZIT: LOST IN KYIV erfinden sich mit „We're All Going To Be Fine“ vom Bandnamen her (ehemals LOST IN KIEV) neu und gehen mit dieser Ausrichtung noch druckvoller und abwechslungsreicher an ihren cineasischen Post-Rock und Metal samt großer, progressiv ausgerichteter und psychedelischer Klangstrukturen, mit denen die Franzosen ihre Hörer sofort gefangennehmen. Dazu gibt’s diesmal nicht nur rein instrumentale Hintergründe, sondern auch beeindruckend gesungene und gesprochene Passagen zu vernehmen, die das Spannungsfeld zwischen Hoffnung und innerem Zusammenbruch aus psychologisch tiefgründiger Sicht zum Thema haben. Die Musik bildet hierbei beide Aspekte – die hoffnungsvollen und die zerstörerischen – klangvoll ab.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 50x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • Enlightened
  • Burst
  • Mantra
  • Eclipse
  • Becoming
  • Euphoria
  • Liminality

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Vervollständige: Laterne, Laterne, Sonne Mond und...

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!