Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

UB40 feat. Terence Wilson & Ali Campbell: Unprecedented (Review)

Artist:

UB40 feat. Terence Wilson & Ali Campbell

UB40 feat. Terence Wilson & Ali Campbell: Unprecedented
Album:

Unprecedented

Medium: CD/Download/Do-LP
Stil:

Reggae, Pop, Dub

Label: Universal Music
Spieldauer: 56:32
Erschienen: 01.07.2022
Website: [Link]

Als erst im August und dann im November 2021 die Nachrichten vom Tod des Gründungsmitglieds BRIAN TRAVERS und ASTROs, dem langjährigen singenden Wegbegleiter von ALI CAMPBELL und zugleich maßgebliches UB40-Mitglied, um die Welt gingen, war eigentlich auch das Ende von UB40 FEAT. TERENCE WILSON & ALI CAMPBELL zu erwarten, nicht aber, dass anno 2022 ein völlig neues UB40-Studio-Album, in Verbindung mit einer nicht abgesagten Tournee, erscheint. Hier also ist es – doch es ist nicht wirklich 'völlig neu', denn es ist das letzte Album, an dem Sänger Terence Wilson aka ASTRO noch mitwirkte und nach dessen Fertigstellung er unmittelbar im Alter von 64 Jahren Ende 2021 verstarb. So wurde dieses Album – „Unprecedented“ – zugleich auch das Gedenkalbum an Terence Wilson, dem es zugleich mit den Worten: „Im memory of our beloved ASTRO“, gewidmet wurde.

UB40, deren weltweiter Höhenflug mit der Neuinterpretation des NEIL DIAMOND-Songs „Red Red Wine“ im Reggae-Pop-Stil begann und die sich makabererweise bei ihrer Gründung 1978 nach einem britischen Anmeldeformular zur Arbeitslosigkeit benannten, während sie ihre Reggae-Liebesdienste in ihren ureigenen Liebeslaboren entwickelten, um diese wie eine 'ohrwurmige Chemikalie' mit Tiefenwirkung auf das Reggae-verliebte Volk loszulassen, das sicher auch die doch tiefgründigeren und kritischeren Werke von BOB MARLEY und EDDY GRANT liebte, waren jedenfalls schon immer Hit-Garanten. Ideale Musik eben, um nicht nur mit tiefrotem Wein beschallt zu werden, sondern ihn genüsslich dabei zu recht unkritischen Reggeae-Pop-Rhythmen auch zu trinken und das Tanzbein zu schwingen. Leider legt sich nach den so kurz aufeinander folgenden Todesfällen nun doch ein grauer, nicht ganz so freudvoll wie „Unprecedented“ zu vermitteln scheinender, Schleier auch auf ihre Musik.

Um allerdings an die Erfolge der frühen Werke anzuknüpfen, wurde als erste Auskopplung aus dem 2022er-Album mit „Sufferer“ (im Original von THE KINGSTONIANS) gleich ein Song ausgewählt, der nur zu gerne Erinnerungen an „Red Red Wine“ weckt und trotz der kritischen Text-Botschaft (We work day and night, we don't wear shoes full of gold / We can't get no money to buy ourself some food.“) doch recht gutgestimmt klingt. Darum stellt der 'letzte Überlebende' ALI CAMPBELL dazu wohl auch fest: „Mich berührt und bewegt dieses neue Stück heute noch mehr, jetzt wo ASTRO nach dem Abschluss der Aufnahmen von uns gegangen ist. Wir wollen die Erinnerung an ihn am Leben halten, und zwar durch diese Musik, diesen Song und dieses Album.“

Mit mehr als 70 Millionen verkauften Alben brauchen sich die verbleibenden Musiker hinter UB40 um ihre Zukunft sicher keine Sorgen mehr zu machen – und der Einzige, der diesbezüglich noch die Stimmung und Musik nach unten drückt, ist der Typ mit der Sense, der als absolut unmusikalisch gilt und auch in diesem Jahr bereits zu einem üblen Rundumschlag ausgeholt hat.
So bleibt nach „Unprecedented“ nur die Erinnerung, wie UB40 einmal klangen und auch die Live-Konzerte der aktuellen UK-Tour leiden unter den tragischen Verlusten gleich zweier maßgeblicher UB40-Musiker und der 'Einstimmigkeit' von ALI CAMPBELL, auch wenn der von einem vollstimmigen Vokal-Ensemble im Hintergrund begleitet wird.

Das aktuelle Album greift deutlich die Stimmung des Vorgängers „A Real Labour Of Love“ wieder auf und setzt auch studiotechnisch genau an diesem gelungenen Werk an, ohne größere Abstriche machen zu müssen, auch wenn hier bereits 'Mickey' fehlte. Der Gesang geht jedenfalls noch immer auf das Konto von ALI CAMPBELL & ASTRO.

Sofort fühlt man sich wieder in die Hochzeiten von UB40 der 80er- und 90er-Jahre versetzt und wird diesen Eindruck über die Laufzeit der gesamten Doppel-LP nicht los.
Hat sich irgendwas an dem Sound anno 2022 geändert?
Klare Antwort: Musikalisch NEIN! Soundmäßig JA! Denn von Vinyl entfaltet „Unprecedented“ einen warmen, voluminösen und perfekten Stereo-Klang, der fantastisch ist und auf Dauer mit den ewiggleichen Pop-Reggae-Rhythmen doch etwas eintönig wirkenden Musik trotzdem die Krone aufsetzt. Im Grunde folgt so ein Hit dem anderen, ohne dass man diese wirklich genau zuordnen oder auseinanderhalten könnte – trotzdem gehen sie alle sofort ins Ohr und ins Tanzbein. Reggae zum Wohlfühlen und Abtanzen, getreu solchen Aussagen wie in „Heaven In Her Eyes“, in dem es banal heißt: „I love to see her smile / I love her sexy style...“

Neben eigenen Kompositionen greifen UB40 FEAT. TERENCE WILSON & ALI CAMPBELL wie gewohnt auch auf einige ganz spezielle Cover-Versionen zurück, wobei sie sich diesmal neben den absoluten Reggae-Pionieren THE KINGSTONIANS zusätzlich für STEVIE WONDER, KRIS KRISTOFFERSON und BILL WITHERS entschieden. Insgesamt eine gute Auswahl, die ihrem poppigen Reggae-Perlen-Sound sehr zuträglich sind.

Greift man zum Doppel-Vinyl von „Unprecedented“ fallen einem die beiden Bonustitel, die auf der letzten LP-Seite zu finden sind, auf. Und die sind das Ungewöhnlichste an diesem brandneuen und wohl letzten Studio-Album im Gatefoldcover samt bedruckter Innenhüllen, auf denen auch alle Texte zu finden sind.
„Caught You In A Lie“ ist eine flotte Pop-Nummer, schon ohne ASTRO, bei der auch ALI CAMPBELL nur den Hintergrundgesang übernimmt, während die Leadvocals von seiner Tochter INDICA CAMPBELL herausgeschmettert werden.
Außerdem gibt es eine zweite Version von „Lean On Me“, ein Remix des Dancehall-DJ's und Produzenten BOUNTY KILLER, der dem gesamten Song neben den Reggae- auch ein Rap-Feeling verpasst, während Campbell mit seiner Stimme die UB40-Grundierung übernimmt. Gewöhnungsbedürftig, aber auf jeden Fall eine interessante Beigabe.

Nach nunmehr also 44 Jahren klingen UB40 FEAT. TERENCE WILSON & ALI CAMPBELL noch immer so, wie man sie im Grunde schon immer liebte. Auch wenn das jetzt, bei den die Band betreffenden Todesnachrichten, nach „Unprecedented“ eigentlich ein Ende haben sollte.
Lassen wir uns einfach überraschen.
Unprecedented“ wäre auf jeden Fall ein gelungenes letztes Kapitel in dem musikalischen Lebenslauf von UB40.
Oder um es mit der ersten Strophe aus der für dieses Album gewählten Coverversion „Lean On Me“ BILL WITHERS auszudrücken:
'Sometimes in our lives
We all have pain
We all have sorrow
But if we are wise
We know that there's always tomorrow.'

FAZIT: Nach zwei Sterbefällen wird dies wohl das letzte Album von UB40 FEAT. TERENCE WILSON & ALI CAMPBELL werden – und es hinterlässt all das, was die Band und ihre mitunter fast hypnotisch erscheinenden Reggae-Pop-Rhythmen seit nunmehr 44 Jahren ausmachte. „Unprecedented“ lebt zum letzen Mal vom Gesang des im November 2021 überraschend verstorbenen ASTROs und ALI CAMPBELLs sowie durch einen Sound der Spitzenklasse. Und natürlich auch dadurch, dass es UB40 wie so oft – selbst in den finstersten Zeiten – gelingt, mit ihrem beschwingten Reggae-Pop ein echtes Wohlgefühl beim Hörer, verbunden mit dem Hang, sich entspannt zu jeder Note zu bewegen, hinterlässt.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 961x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • Seite A (17:05):
  • What Have I Done (3:38)
  • We'll Never Find Anothger Love (3:34)
  • Unprecedented (5:00)
  • Sunday Morning Coming Down (4:53)
  • Seite B (10:25):
  • Emperors Wore No Clothes (3:13)
  • Sufferer (3:38)
  • Heaven In Her Eyes (3:34)
  • Seite C (16:56):
  • Do Yourself A Favour (4:57)
  • Happy Includes Everyone (4:33)
  • Stay Another Day (3:26)
  • Lean On Me (4:00)
  • Seite D (12:06):
  • Mellow (4:03)
  • Bonus Tracks:
  • Caught You In A Lie (4:30)
  • Lean On Me (feat. Bounty Killer) (3:33)

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Wieviele Tage hat eine Woche?

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!