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Encephalon: Echoes / Surfacer (Review)

Artist:

Encephalon

Encephalon: Echoes / Surfacer
Album:

Echoes / Surfacer

Medium: Do-CD
Stil:

Industrial Rock

Label: Artoffact Records
Spieldauer: 81:00
Erschienen: 03.06.2022
Website: [Link]

Zwischen tanzbaren Beats, Eiseskälte und der thematischen Tragik des Lebens treffen ENCEPHALON einen Nerv. Dabei gestaltet sich der Einstieg in „Echoes“ zunächst gar nicht so schwierig, vorausgesetzt man hat ein offenes Ohr für elektronische Klänge. Wird diese Voraussetzung erfüllt, dann ist „The Trial“ ein melodisches Stück klangliche Elektronik, die hier und da sogar echte Ohrwurmqualitäten entwickelt.
Dass „Someone Else’s Dream“ da sogar noch einen draufsetzt und in weiten Teilen fast unverschämt eingängig daherkommt, ist dann auch nicht die große Überraschung. Die heißt eher „The War“. Einerseits ist dieser pumpende Beat, diese kalt pulsierende Elektronik zu erwarten, andererseits wirkt der Song beim ersten Mal doch ein bisschen wie ein Schlag ins Gesicht.

Natürlich lassen sich im weiteren Albumverlauf diverse schräge Momente entdecken, die wahlweise geliebt oder gehasst werden dürften, im Gesamtkontext von „Echoes“ sind aber auch die Texte einen genaueren Blick wert. Es geht, grob gesagt, um die Simulationstheorie, mit deren Hilfe Themen wie religiöse Ideen und spirituelle Führungsvorstellungen in eine philosophische Diskussion gestellt werden. Dazu gehören die Leichtgläubigkeit, aber auch philosophisch-religiöse Ansätze wie das Prinzip der Reinkarnation.
Gerade der letztgenannte Ansatz ist im Zuge der gebotenen Musik interessant. Denn wenn alles diesem Kreislauf aus ewig währender Erfahrung unterliegt, dann könnte „Echoes“ durchaus eine Art vertonte 'Tunnel-Erfahrung' sein. Wie in Wellen bewegt sich die Musik auf und ab, pulsiert unter der Oberfläche aber doch relativ gleichmäßig.
Was allerdings auf dem musikalischen Grundstein abgeht, gleicht einem Kampf, oder wenigstens einer Überdosis Adrenalin. Das bedeutet, dass die Songs niemals wirklich gleichförmig sind, auch wenn sie doch recht linear wirken. „Slime Never Dies“ zeigt das eindrücklich. Ja, die Melodik, der Groove, das wirkt alles erstmal repetitiv und nach klarer Struktur musiziert. Aber ENCEPHALON sind eben mehr als nur die technische Aneinanderreihung von Tönen. Sie sind die vertonte Zerreißprobe zwischen dunkelsten Gefühlen und dem Willen zur Entwicklung, dem Willen nach einem besseren, helleren Weg.
„Beyond My Circuitry“ erweist sich daher als geradezu aufbauend. Dezente Streicher stellen den wärmeren Elektro-Sounds eine Möglichkeit zur positiven Weiterentwicklung an die Seite. Denn was zuvor düster und kalkuliert kalt klang, wirkt jetzt beinahe hell und melodisch eingängig. Allerdings könnte es im Umkehrschluss auch von einer gewissen Resignation zeugen und so den letzten Schritt kurz vor der persönlichen Kapitulation vertonen. Ganz nach dem Motto: Wenn ich schon gehe, dann gehe ich ins Licht!
Zumindest das Zwischenspiel „Braindead in VR“ würde für letzteres sprechen. „Echoes“ allerdings klingt wie ein vertonter Neustart. Die Sounds vermitteln eine Helligkeit, die das zuvor Gehörte doch ein wenig kontrastieren und pumpen als tanzbarer Schluss voller Energie vor sich hin. So ein Neustart birgt ja immer beides: Chance und Risiko, so könnte auch eine mögliche Conclusio dieses Albums lauten.

Das Bonusmaterial auf „Surfacer“ besteht dagegen komplett aus früherem Material und bisher unveröffentlichten Outtakes. Dementsprechend hat die zweite CD nicht ganz die zusammenhängende Konsistenz von „Echoes“, lässt sich aber gut als vom Hauptalbum losgelöster Zusatz betrachten. Und als solcher funktioniert das Album sehr gut. Insgesamt wirken die Songs hier hibbeliger als zuvor. Eine Nummer wie „Ghostorm“ gleicht einem nervös-gehetzten Trip und erzeugt ein bisschen das Gefühl auf der Flucht vor etwas zu sein.
Wohingegen vor allem der Abschluss „The Claw“ beinahe wehklagend wirkt. Die Frage, die sich hier stellt, ist, gegen wen oder was bzw. warum geklagt wird?
Wobei sich die Vertonung von wie auch immer geartetem Schmerz sich nach und nach immer stärker zu erkennen gibt.

FAZIT: „Echoes“ sollte wohl am ehesten von „Surfacer“ isoliert betrachtet werden. Denn vor allem thematisch wirkt das erste Album in sich geschlossen. Allerdings haben ENCEPHALON mit dem Bonusalbum so etwas wie ein bewusstes Kontrastprogramm geschaffen, das den thematischen Abschluss von „Echoes“ möglicherweise ein Stück weit relativiert. Wenn dem so ist, dann ist das einerseits schade, denn die Perspektive auf einen Neustart hat ein grundsätzlich angenehm neutrales Potenzial für Wachstum. Andererseits lässt sich „Surfacer“ eben auch thematisch gut als unabhängig von den Ideen auf „Echoes“ betrachten. Damit haben ENCEPHALON im Grunde zwei interessante Platten zu einem Paket vereint. Am Ende gewinnt also der Hörer.

Dominik Maier (Info) (Review 609x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Echoes:
  • The Trial
  • Someone Else’s Dream
  • The War
  • The Same Wound
  • Deader Without You
  • Emulations
  • My Heart Will Not Go On
  • Slime Never Dies
  • Beyond My Circuitry
  • Braindead In VR
  • Echoes
  • Surfacer:
  • Calling On The Apocalypse
  • Mercenary
  • Luna’s Rampage
  • Responder
  • Teenage Hitman
  • Ghostorm
  • Crippled
  • The Claw

Besetzung:

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